#lostwords – Abschiedsbriefe, die nie ankamen

Ein Dossier über die Opfer der NS-Justiz in München-Stadelheim und ihre letzten Worte

Das Dossier befasst sich mit den Themen, die das Projekt #lostwords aufwirft, mit seinen historischen Hintergründen und ihren Folgen bis in die Gegenwart. Entstanden in Kooperation zwischen den Arolsen Archives und den Staatlichen Archiven Bayerns, sucht #lostwords nach den Angehörigen jener Menschen, die während der NS-Zeit im Gefängnis München-Stadelheim hingerichtet wurden. Viele von ihnen schrieben kurz vor ihrem Tod Abschiedsbriefe, die ihre Familien nie erreichten.

Keyfacts

1188Hinrichtungsopfer in München-Stadelheim

844Anzahl der Hinrichtungsakten

50Verbliebene Abschiedsbriefe

1Gefundene Familien

Passagen aus den Abschiedsbriefen

In sechs eindringlichen Kurzfilmen lesen Ensemblemitglieder der Münchner Kammerspiele aus den Abschiedsbriefen von zum Tode Verurteilten. Die Filme lassen die Zeitlosigkeit dieser Dokumente erfahrbar werden.

Aufbewahrt in den Hinrichtungsakten: Briefe zum Abschied

Das Verfassen der Abschiedsbriefe war die letzte Handlung, die den zum Tode Verurteilten zugestanden wurde. Einige dieser Briefe erreichten ihre Empfänger*innen nie, sondern sie wurden Teil der Hinrichtungsakten. Welche Funktion erfüllten diese Akten? Was ist in ihnen enthalten? Und warum sind sie für die Forschung von Bedeutung?

Mehrere Din A4 Briefumschläge in weiß und braun
© Elisabeth Miletic, Bayerisches Hauptstaatsarchiv

Wer waren die Opfer?

Die Haftanstalt München-Stadelheim war im Nationalsozialismus eine „zentrale Hinrichtungsstätte“. Bis 1945 wurden dort über 1.000 zum Tode verurteilte Menschen enthauptet, darunter auch 75 Frauen. Die meisten Hingerichteten stammten aus Deutschland, andere aus Polen, Frankreich, Tschechien und weiteren europäischen Ländern. Das jüngste Hinrichtungsopfer wurde 19, das älteste 81 Jahre alt. Was außerdem über die Opfer bekannt ist, erfahren Sie hier.

Gebäude vor dem Zwangsarbeiterinnen in einer Reihe stehen. Daneben ein Aufseher

Todesurteile im Namen der NS-Justiz

Zwischen 1933 und 1945 stand die Justiz im Dienst des NS-Regimes und war damit Teil des Unrechtssystems. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs verschärfte sich das Vorgehen der NS-Richter gegen vermeintliche „Volksschädlinge“. Schon für Bagatelldelikte konnte die Todesstrafe verhängt werden. Alexander Korb hat mit uns über die Todesurteile im Namen der NS-Justiz gesprochen.

Schwarz-weiß Foto des Gefängnisses Stadelheim. Davor eine Gruppe Zwangsarbeiterinnen sowie Männer in Uniform.

Von der Hinrichtung auf den Seziertisch

Die NS-Justiz hielt nicht nur viele Abschiedsbriefe zurück, sie verwehrte auch vielen Angehörigen die Beerdigung ihrer Liebsten. Die sterblichen Überreste wurden nach ihrem Tod an die anatomischen Institute in München, Innsbruck, Würzburg oder Erlangen übergeben – ihre Körper dienten der Lehre. Medizinstudent Tim Simon Goldmann hat in der Anatomischen Sammlung Erlangen die sterblichen Überreste von mehreren Hingerichteten entdeckt. Nun sucht er gemeinsam mit den Arolsen Archives nach Hinterbliebenen.

Tim Goldmann bei der Sichtung von historischen mikroskopischen Präparaten.