Nach Ländern wie Spanien und Polen ist #StolenMemory nun auch in Russland zu sehen. 2,5 Millionen sowjetische Frauen und Männer wurden von den deutschen Besatzern verschleppt, um Zwangsarbeit zu leisten. Viele von ihnen kamen in Konzentrations-lagerhaft, in der sie sie alle persönlichen Gegenstände abgeben mussten. Die Arolsen Archives haben noch einige dieser Erinnerungsstücke in ihren Beständen und suchen die Familien der Besitzer*innen, um die Schmuckstücke, Fotos und Uhren zurückzugeben.

Mit immer auswegloserem Verlauf des Krieges stieg ab 1943 der Bedarf an Arbeitskräften für die deutsche Wirtschaft. Vor allem junge Männer und Frauen wurden verschleppt und zur Zwangsarbeit gezwungen. Insgesamt waren es 2,5 Millionen Menschen. Bereits kleinste Regelverstöße endeten für viele Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter mit Konzentrationslagerhaft. Um den Bedarf des NS-Regimes an Arbeitssklav*innen für die Rüstungsindustrie zu decken, verschleppte die SS zusätzlich aus ganz Europa zig Tausende ins Deutsche Reich.

Darunter waren viele Frauen und Mädchen, die ebenso harte wie gefährliche Arbeit verrichten mussten wie männliche Häftlinge. Die Lager befanden sich in der Nähe kriegswichtiger Produktionsstandorte, waren aber als Außenlager den großen Konzentrationslagern unterstellt. Dort wurden auch die Effekten aufbewahrt. Nach Kriegsende konnten deshalb viele Gegenstände nicht direkt an ihre Besitzer*innen zurückgegeben werden. Insgesamt bewahren die Arolsen Archives über 350 Effekten von ehemaligen sowjetischen Zwangsarbeiter*innen auf. Nur wenige Angehörige konnten bisher ausfindig gemacht werden, da die Suche sehr schwierig ist. 

Mehr Aufmerksamkeit für die Opfer

Die Arolsen Archives kooperieren bei der ersten Ausstellung in Russland mit MEMORIAL, einer Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Moskau. Die Organisation setzt sich unter anderem für die Aufarbeitung der Geschichte und für die Familien ehemaliger Zwangsarbeiter in Russland ein.

#StolenMemory in Moskau
#StolenMemory in Moskau

#StolenMemory wird der russischen Öffentlichkeit helfen, sich als Teil einer großen Gemeinschaft von Menschen aus aller Welt zu fühlen, die mit ihrer täglichen Arbeit dazu beitragen, die Folgen des Nationalsozialismus zu überwinden.

Zum Interview mit Evelina Rudenko

Erfolgreiche Suche 

Die Nationalsozialisten hatten Nelli Dmitrijewna Matwejewa ihre Schmuckstücke weggenommen, als sie sie am 4. April 1944 im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück inhaftierten. Nelli war erst 19 Jahre alt und stammte aus Kiew. Im Außenlager Zwodau / Svatava im heutigen Tschechien musste sie für eine Tochterfirma von Siemens Zwangsarbeit leisten. Ende Februar 1945 überstellte die SS Nelli in das Außenlager Beendorf. Sie überlebte die Räumung des Lagers und den Todesmarsch Richtung Hamburg. Später kehrte sie in die Sowjetunion zurück und heiratete den Offizier Alexandr Grigorjewitsch Pawlow. Die beiden führten eine glückliche Ehe und bekamen die beiden Töchter Ljudmilla und Tatjana. Nelli Dmitrijewna Pawlowa starb 2012 im Alter von 87 Jahren.

Tatjana Alexandrowna Rotanowa war sehr glücklich, als sie ihm Frühjahr 2019 den leuchtend roten Schmuck ihrer Mutter in den Händen hielt. Mithilfe des Such-und Informationszentrums des Russischen Roten Kreuzes konnten die Arolsen Archives sie im Zentralrussland finden.

Rund 2500 Gegenstände warten noch

Seit 2016 gibt es #StolenMemory und seitdem suchen wir nach Angehörigen der NS-Opfer, unterstützt von Freiwilligen. Die Suche nach den Familien ist so wichtig, weil die persönlichen Gegenstände bei uns nur aufbewahrt werden, sie gehören nicht dem Archiv. In Russland hilft uns vor allem das Such-und Informationszentrum des Russischen Roten Kreuzes bei der Suche. #StolenMemory bedeutet aber nicht nur, dass wir die Effekten der Opfer des Nationalsozialismus in Ausstellungen zeigen und nach Angehörigen suchen– wir bieten auch Bildungsmaterial an sowie Videos über individuelle Geschichten, wie die von Helena und István, die ab sofort mit russischer Untertitelung zu sehen sind.

Helena Poterska war war 16 als die Gestapo sie verhaftete. Doch die Ohrringe, die die Nazis Helena bei ihrer Verhaftung abgenommen hatten, fanden 77 Jahre später den Weg zurück zu ihren Töchtern. Eine Erinnerung an die verlorene Jugend der mutigen Helena Poterska.

 

István war Jude und wurde von den Nazis 1944 verhaftet. 22 Jahre nach seinem Tod erreichte Familie Roksa eine Botschaft aus der Vergangenheit. Ein Umschlag. Darin ein alter Füller, den Istváns Enkelsohn Ravid als Erinnerung an seinen Großvater aufbewahrt.

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