Lokale Geschichte erforschen, Gedenken gemeinsam gestalten
Die Arolsen Archives leisten zusammen mit Partnern vor Ort innovative Gedenkarbeit. Beispiele dafür sind die Kooperationen zur Erinnerung an das Konzentrationslager Ohrdruf und multinationale Projekte mit Jugendlichen rund um das Projekt #StolenMemory.
Erinnern an das Konzentrationslager Ohrdruf
Das Konzentrationslager Ohrdruf, ein ehemaliges Außenlager des KZ Buchenwald, ist in Deutschland nur wenig bekannt. Auf Initiative der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha startet im Jahr 2022 das Erinnerungsprojekt „Deutsche Erinnerungslücke KZ Ohrdruf“, an dem die Arolsen Archives und die Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora beteiligt sind. Aus der gemeinsamen Entwicklung des digitalen Lernmoduls Suspekt – Landschaft der Verbrechen über das ehemalige Lager entstand eine Kooperation mit vielen lokalen Akteuren. Es ergaben sich nicht nur Verknüpfungen zu anderen Projekten wie #everynamecounts, sondern auch ganz neue Initiativen. Jugendliche engagieren sich in örtlichen Erinnerungsprojekten und recherchieren zu eigenen Themen. Kommunale und zivilgesellschaftliche Partner beteiligen sich an Veranstaltungen, wie zuletzt an der Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung des KZ Ohrdruf. Aus der intensiven Zusammenarbeit vor Ort entstehen immer neue Impulse für weitere Lern- und Lehrinhalte.
Gedenken am historischen Ort
80 Jahre nach der Befreiung des Buchenwald-Außenlagers Ohrdruf gedachten die Kooperationspartner zusammen mit zahlreichen lokalen Initiativen vor Ort der NS-Opfer. Über 150 Schülerinnen und Schüler gestalteten die ganztägige Gedenkveranstaltung mit ‒ in Erinnerungsprojekten und Workshops, bei der Gedenkzeremonie und der anschließenden Podiumsveranstaltung.
Was macht eine lebendige Erinnerungskultur aus? Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf die historisch-politische Bildungsarbeit? Und wie lässt sich würdiges Gedenken so gestalten, dass sich auch junge Menschen angesprochen fühlen? Ein Gespräch mit Birthe Pater, Leitung Bildung der Arolsen Archives, Holger Obbarius, Leitung der Bildungsabteilung der Gedenkstätte Buchenwald, und Christoph Mauny von der Weimarer Mal- und Zeichenschule.
Die Kunst des Erinnerns. Quelle: Weimarer Mal- und Zeichenschule
Suspekt – Landschaft der Verbrechen
Mit dem digitalen Lernmodul Suspekt können Nutzer*innen die Geschichte des KZ Ohrdruf virtuell selbst erkunden. Über eine digitale Karte zoomen sie sich in vier 360°-Ansichten hinein. Historische Fotos, Videos, Zitate, Biografien und viele weitere Informationen, die direkt in die Landschaften eingebettet sind, machen die verborgene Geschichte des Ortes sichtbar und stellen Bezüge zur Gegenwart her.
Mehr über das KZ Ohrdruf erfahren
Sie möchten mehr über die Geschichte des KZ Ohrdruf und das Erinnerungsprojekt erfahren? In unserem Dossier haben wir alle Informationen für Sie zusammengestellt.
Das Bildungsprojekt #StolenMemory bringt junge Menschen aus verschiedenen Ländern zusammen, um sich mit der Geschichte der NS-Verfolgung auseinanderzusetzen. In deutsch-polnischen und internationalen Jugendbegegnungen recherchieren sie zu individuellen Schicksalen, oft mit lokalem Bezug – in ihren Städten, an Gedenkorten oder in Archiven. Seit 2019 arbeiten die Arolsen Archives eng mit dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW) zusammen, gefördert im Programm „Wege zur Erinnerung“.
Eröffnung der #StolenMemory-Ausstellung im IJBS Oswiecim im September 2019 durch junge Freiwillige. Quelle: Arolsen Archives
Ein Beispiel: Die Berufliche Schule des Kreises Stormarn in Bad Oldesloe führt seit 2020 jährlich ein #StolenMemory-Projekt mit bis zu 350 Jugendlichen aus Deutschland, Polen und der Ukraine durch. So fanden Schüler*innen aus Bad Oldesloe und Mława gemeinsam den Sohn der KZ-Überlebenden Marianna Miedzinska – 2024 erhielt er nach über 80 Jahren die Halskette seiner Mutter zurück. Für dieses Engagement wurde das Projekt mit dem Willi Piecyk Preis ausgezeichnet.
Die Arolsen Archives in Mittelosteuropa
Neben unserer Kooperation mit dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk arbeiten wir mit weiteren Partnern in Polen und der Ukraine zusammen. Sie möchten mehr über unseren Schwerpunkt „Outreach Mittelosteuropa“ erfahren? In unserem Kurzportrait „Outreach Mittelosteuropa“ lesen Sie alle Details.
Eröffnung des Murals „We remember“ am Jugendkulturzentrum in Oświęcim. Entstanden durch die gemeinsame Arbeit von polnischen und deutschen #StolenMemory Freiwilligen mit dem polnischen Künstler Łukasz Majerowski während eines 10 tägigen Freiwilligentreffen für Jugendliche, dass in Kooperation in den Arolsen Archives und in der IJBS Auschwitz/Oświęcim im August 2023 stattfandNeueröffnung der #StolenMemory Ausstellung am Außenzaun der IJBS Auschwitz/Oświęcim 2024 und Anbringung von 3 Gefunden Plakaten zu den, durch die Oświęcimer Jugendlichen #StolenMemory Freiwilligen, gefundenen Familien.Effektenübergabe im Rahmen des internationalen #StolenMemory Projekts der Berufsschulen Bad Oldesloe und Gdynia. Der polnische Schüler Kacper fand die Angehörige von Pawel Urlicki Frau Anna Urlicka. Die Taschenuhr des jungen Mannes wurde von einer deutsch -polnischen Delegation bei der Nichte zu Hause in den Masuren im April 2022 übergeben.Eröffnung der #StolenMemory Wanderausstellung durch #StolenMemory Freiwillige in Gdynia, die aktiv im Rahmen von internationalen Schulkooperationen nach deutschen und polnischen Angehörigen suchen.Schüler*innen aus Kyiv während des ersten deutsch -polnisch-ukrainischen #StolenMemory Seminars 2024 in der IJBS Auschwitz/Oświęcim, die in dem vom Auswärtigen Amt und DPJW geförderten Projekts auch ihre Erfahrungen im Kriegsalltag teilten.Erfolgreiche Suche der Schülerinnen unseres Partner Lyceums in Łańcut. Im Rahmen des trilateralen Seminars Jugend auf der Spurensuche fanden sie die Familie von Zofia Mościcka und konnten ihre Ringe während der Zeremonie beim deutsch polnischen Jugendwerk an deren Enkelin Elżbieta übergeben. Anschließend wurden die Schülerinnen, die Organisatoren und die Familie in das polnische Frühstücksfernsehen „pytanie na śniadanie“ eingeladen.Unser #StolenMemory Freiwilliger Mateusz Mika, Schüler des Konarski Lyceums Oświęcim, spricht bei der Eröffnung unserer Ausstellung anlässlich des 82. Jahrestags des ersten Auschwitz Transports polnischer politischer Häftlinge aus dem Gestapo Gefängnis Tarnów. Die Ausstellung wurde im Eingangsbereich der Gedenkstätte Auschwitz – Birkenau gezeigt. Die Arolsen Archives verwahren einige persönliche Gegenstände der Deportierten aus dem ersten Transport und weiterer Auschwitz Transporte.#StolenMemory Freiwillige und Mentorin Zofia Przeworska nimmt zusammen mit anderen internationalen Freiwilligen an dem ersten #StolenMemory Volunteer Meeting der Arolsen Archives im Rahmen der 2016 initiierten #StolenMemory Kampagne im März 2025 in Bad Arolsen teil. Zofia und ihre Mitstreiter*innen haben seit 2019 damals noch Schüler*innen bereits 10 Familien gefunden. Mittlerweile fungieren sie als Mentor*innen für die Schüler*innen ihrer Stadt.
#StolenMemory in weiteren Bildungsprojekten
Junge Menschen aus ganz Europa erforschen NS-Geschichte, recherchieren Verfolgungswege und machen Erinnerungsarbeit lebendig.
Wie erging es jüdischen Kindern und Jugendlichen in Berlin während der Zeit des Nationalsozialismus? „Murmeln der Erinnerung“ lädt innerhalb der App berlinHistory zu einer Spurensuche in der Hauptstadt ein. Fünf multimediale Walking-Touren führen an Orte jüdischen Lebens in Berlin und erzählen die Geschichten von Schülerinnen und Schülern zur NS-Zeit.