Die Kampagne motiviert Jugendliche europaweit, nach Schicksalen im eigenen Land zu forschen.
Die NS-Verfolgten, denen die geraubten Besitzstücke einmal gehörten, kamen aus mehr als 30 Nationen. Ihre Familien und Nachfahren leben heute überall auf der Welt. Diese vielfältigen Ortsbezüge machen #StolenMemory interessant für internationale Bildungsprojekte. Sie geben Jugendlichen die Chance, nach Schicksalen aus ihrer eigenen Region zu recherchieren und die Suche aktiv zu unterstützen. Hier stellen wir einige Beispiele für aktuelle Bildungsprojekte vor.
Kooperation mit dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk
Besonders für deutsch-polnische Gruppen bietet #StolenMemory viele Anknüpfungspunkte. Denn sehr viele Schicksale von NS-Verfolgten habe Bezüge zu Wohnorten oder Gedenkstätten in den beiden Ländern. Seit 2019 besteht eine enge Kooperation zwischen den Arolsen Archives und dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW). Im Rahmen dieser Zusammenarbeit beteiligen sich zahlreiche deutsch-polnische und trilaterale Jugendgruppe an der Kampagne #StolenMemory – gefördert im Programm „Wege zur Erinnerung“. In einer gemeinsamen Broschüre haben wir alle Informationen zu #StolenMemory als deutsch-polnisches Bildungsprojekt zusammengefasst.
Schwerpunkt ‚Outreach Mittelosteuropa‘
In Ländern wie Polen, der Ukraine, Belarus und Russland haben die Nationalsozialisten Millionen von Menschen besonders brutal verfolgt, inhaftiert und ermordet. Viele Familien von NS-Verfolgten wissen bis heute nicht, was mit ihren Angehörigen geschehen ist. Die Dokumente aus den Arolsen Archives können helfen, Verfolgungswege nachzuvollziehen und Schicksale aufzuklären. Deshalb setzen wir uns dafür ein, die Angebote der Arolsen Archives in dieser Region bekannter zu machen und arbeiten in Kooperationen mit Partnern vor Ort.
So organisiert zum Beispiel die Berufliche Schule des Kreises Stormarn in Bad Oldesloe seit 2020 jedes Jahr ein einwöchiges #StolenMemory-Projekt mit bis zu 350 Schüler*innen aus Deutschland, Polen und zuletzt auch der Ukraine. Deutsche und polnische Jugendliche haben inzwischen mehrere Effekten gemeinsam an polnische Familien übergeben.
Kette an Sohn von KZ-Überlebender übergeben
Schüler*innen aus Bad Oldesloe und Mława, einer Stadt nördlich von Warschau, ist es zum Beispiel gelungen, den Sohn der KZ-Überlebenden Marianna Miedzinska ausfindig zu machen. Nach mehr als 80 Jahren erhielt Tadeusz Stramko in Warschau so die Halskette seiner Mutter zurück. 2024 wurde das Schulprojekt mit dem Willi Piecyk Preis ausgezeichnet.
Jugendliche aus Oświęcim (Auschwitz) suchen nach Spuren
In Zusammenarbeit mit der Jugendbegegnungsstätte IJBS in Oświęcim/Auschwitz wurde #StolenMemory 2019 erstmals zum Bildungsprojekt. Schüler*innen des Konarski-Gymnasiums in Oświęcim recherchieren nach Schicksalen aus der Region, suchen Spuren und helfen dabei, Nachfahren der Verfolgten zu finden – mit großem Erfolg. Sie konnten schon über zehn polnischen Familien Erinnerungsstücke ihrer Angehörigen übergeben.
Machen auch Sie mit!
Sie möchten #Stolen Memory in ihr Bildungsprojekt integrieren? Werden Sie Teil der Kampagne und helfen Sie mit, die Erinnerung an die ehemals verfolgten Menschen wachzuhalten.
Bei ihrer Recherche fanden Schüler*innen des Konarski-Gymnasiums Oświęcim zum Beispiel Stanisława Bury, die Nichte des ehemaligen KZ-Häftlings Stefan Baster. In einer feierlichen Zeremonie überreichten die Jugendlichen ihr den Trauring ihres Onkels, der ein polnischer Widerstandskämpfer aus Nielepice bei Krakau war.
Sie möchten mit Ihrer Schulklasse oder Ihrer Jugendgruppe selbst aktiv werden? Die Effekten und die Schicksale ihrer Besitzer*innen bieten spannende Möglichkeiten für forschendes Lernen im Unterricht oder in Projekten. Auf der #Stolen-Memory-Website finden Sie Anregungen und Lerneinheiten.
#StolenMemory bildet auch den Ausgangspunkt für mehrere lokale Geschichtsprojekte im Rahmen der Initiative „Facts not Fiction“. Europaweit forschen Jugendliche zu Schicksalen von NS-Verfolgten. Für die kreative Umsetzung ihrer Forschungsergebnisse in Graphic Novels, Podcasts oder Ausstellungen können sie innovative digitale Tools nutzen. Aktuell schulen die Arolsen Archives Geschichtsexpert*innen, die diese Projekte begleiten werden.
Inspiriert von der Kampagne #Stolen Memory hat die Schriftstellerin Ulrike Schrimpf den Gedichtzyklus „engramme: dinge ohne augen zeugen“ geschrieben. Darin setzt sie sich mit den Schicksalen der NS-Verfolgten auseinander. Studierende der Folkwang Universität der Künste in Essen haben sich mit der gestalterischen Umsetzung des Bandes beschäftigt
Sie möchten wissen, wie Sie mit Ihren Schüler*innen bei der Suche am besten vorgehen? In unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung haben wir viele wertvolle Tipps und weiterführende Informationen für Sie zusammengestellt.