Mitmachen bei der Suche

Recherchieren Sie mit – online, im Archiv oder vor Ort

Die Familien von früheren KZ-Häftlingen leben heute auf der ganzen Welt verstreut. Damit wir sie ausfindig machen und ihnen die Erinnerungsstücke zurückgeben können, sind wir auf die Hilfe von Freiwilligen vor Ort angewiesen.

Sie möchten uns bei der Suche unterstützen? Hier haben wir für Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zusammengestellt. Sie müssen keine besonderen Vorkenntnisse mitbringen. Mit etwas Spürsinn, Ausdauer und vor allem Interesse an Ihrer Landesgeschichte und der Geschichte der NS-Verfolgung können Sie einen wichtigen Beitrag zur Erinnerung an die Verfolgten leisten. Los geht’s!

Die Recherchearbeit erfordert eine gewisse Hartnäckigkeit, denn es gibt immer Rückschläge oder falsche Fährten. Deshalb empfehle ich, einen großen Suchradius zu wählen und auch unwahrscheinlichen Spuren und Hinweisen nachzugehen.

Maciej Gaszek, #StolenMemory Freiwilliger, Polen

Schritt 1: Um welche Effekte geht es?

Vielleicht sind Sie durch eine unserer #StolenMemory-Ausstellungen oder durch Medienberichte bereits auf ein persönliches Besitzstück aufmerksam geworden, das auf seine Rückgabe wartet. Dann haben Sie schon einige Anhaltspunkte zum Schicksal der Person, der dieser Gegenstand einmal gehört hat. Schauen Sie sich auch in unserem Online-Archiv um, dort finden Sie Fotos oder Scans von allen Gegenständen, die sich in unserer Effekten-Sammlung befinden.

Weitere Informationen liefert die „Digital Collections Online“– Datenbank der Arolsen Archives. Darin können Sie nach Namen recherchieren und Personen nach Nationalitäten filtern. In den biografischen Informationen ist vermerkt, ob eine Effekte bereits zurückgegeben wurde.

Wichtig: Sprechen Sie uns an!

Bevor Sie mit der Recherche zu einer Effekte beginnen, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Wir wissen, welche Freiwilligen bereits zu einzelnen Effekten recherchieren und können Ihnen hilfreiche Tipps für die Suche geben.

Einstieg über die interaktive Karte

Wir haben eine georeferenzierte Karte entwickelt, die Hinweise zu den Geburts- und den letzten Wohn- oder Aufenthaltsorten der KZ-Häftlinge gibt, deren Besitzstücke wir aufbewahren. Sie enthält circa 1.500 Markierungen. Außerdem erfahren Sie, ob wir die Familien schon gefunden haben oder noch suchen. Die Karte hilft auch bei der Lokalisierung von Orten, die falsch geschrieben oder umbenannt wurden. Zur interaktiven Karte

Schritt 2: Verfolgungsweg rekonstruieren

Der wichtigste Schritt Ihrer Suche ist die Rekonstruktion von biografischen Details und Verfolgungswegen. Wo wurde der oder die Eigentümer*in der Effekte geboren? Wo lag der letzte Wohnort der Person und wo haben die Nazis sie festgenommen? In welchen Konzentrationslagern war sie inhaftiert? Wurde sie später als Displaced Person registriert und ist eventuell ausgewandert? Überprüfen Sie zunächst die Effekte selbst – insbesondere wenn Schriftstücke oder beschriftete Fotos dabei sind. Vielleicht finden Sie dort schon wertvolle Informationen über Orte oder auch Namen der Verwandten.

Einfache Suche im Internet

Die Arolsen Archives bewahren Dokumente über 17,5 Millionen Menschen und sind damit das umfangreichste Archiv über NS-Verfolgte. Ein Großteil der Bestände ist inzwischen online veröffentlicht. Beginnen Sie hier Ihre Recherche nach Verfolgungswegen.

Auch wenn die Recherche im Online-Archiv keine oder nur wenige Informationen liefert, kann es (weitere) Dokumente im Archiv geben. Zum einen sind noch nicht alle Bestände online, zum anderen liegen manche Dokumente, wie zum Beispiel Namenslisten, nur als Scans vor. Die darin enthaltenen Informationen werden von der Suchfunktion nicht erfasst. Auch deshalb ist es wichtig, dass Sie sich vor Beginn Ihrer Recherche an uns wenden.

Schritt 3: Lokalisierung der Orte

Wenn Sie den Verfolgungsweg größtenteils rekonstruiert und wichtige Orte wie Geburts- und Wohnort gefunden haben, müssen diese noch genau lokalisiert werden. Seit 1945 haben sich viele Landesgrenzen verschoben, zahlreiche Städte und Dörfer haben deshalb auch andere Namen erhalten. Erst wenn Sie herausgefunden haben, um welche Orte es sich heute handelt, können Sie die Suche gezielt fortsetzen.

Unsere freiwilligen Helfer*innen haben festgestellt, dass Wikipedia schon umfassende Listen zu den deutschen Bezeichnungen für Orte in den verschiedenen Teilen Europas bereitstellt. Hier eine Auswahl:

Schritt 4: Die Suche vor Ort

Sie haben die wichtigsten biografischen Eckdaten herausgefunden und den Geburts- oder letztbekannten Wohnort lokalisiert? Dann kann die Suche vor Ort beginnen!

Suchen Sie sich Partner und Anlaufstellen, die Sie beim Aufspüren der Familien unterstützen können:

– örtliche Archive, Museen, Kirchenarchive
– Erinnerungsinitiativen, Geschichtsvereine, Verbände der ehemaligen Häftlinge
– Lokale Behörden: Bürgeramt, Gemeinderat, Dorfvorsteher, Polizei
– Lokale / Nationale Rote-Kreuz-Gesellschaften

Wenn ihr Schüler oder Schülerinnen seid: Nehmt Kontakt zu einer Schule vor Ort auf, um die Suche gemeinsam durchzuführen. Ihr bekommt dort sicher wertvolle Tipps und Unterstützung für eure Recherchen.

Ich nehme immer den Ort, an dem die gesuchte Person gelebt hat, als Ausgangspunkt meiner Recherche. Nachforschungen zur Ortsgeschichte und Gespräche mit Menschen, die heute dort wohnen, sind der Schlüssel zum Schicksal der Opfer. Bei den Gesprächen sollten wir immer transparent kommunizieren und die Ziele der Suche klar darlegen: Wir suchen Angehörige, um ihnen persönliche Gegenstände eines Familienmitglieds wiederzugeben, das von den Nationalsozialisten verfolgt wurde.

Maciej Gaszek, freiwilliger Helfer in Polen, der schon viele Angehörige gefunden hat

Schritt 5: Kontaktaufnahme mit den Familien

Wenn Sie Angehörige gefunden haben, nehmen Sie gerne zunächst Kontakt mit uns auf. Bedenken Sie, dass die Menschen unter Umständen noch nie etwas von ihren verfolgten Angehörigen gehört haben. Eine Kontaktaufnahme nach so vielen Jahrzehnten kann für sie wie „aus dem Nichts“ kommen. Gehen Sie behutsam vor und machen Sie sich auf sehr emotionale Reaktionen gefasst. Es kommt auch vor, dass die Familien lieber nichts von dieser Geschichte hören oder die Effekte nicht haben wollen. Das ist aber wirklich selten – die meisten Angehörigen sind beeindruckt, haben vielleicht schon selber recherchiert und möchten sich intensiv über das Schicksal ihres Verwandten austauschen. Nehmen Sie sich Zeit dafür!

Wenn Sie nicht selbst Kontakt zu den Familienmitgliedern aufnehmen möchten, können das auch unsere Mitarbeiter*innen übernehmen. Sprechen Sie uns an, wenn Sie Angehörige gefunden haben.

Der Film wurde von Laurent Kouchner produziert.

Schritt 6: Effektenübergabe

Die Übergabe von Effekten ist für die meisten Angehörigen ein sehr emotionaler Moment. In der Regel verschicken wir die Gegenstände per Post an die Angehörigen. Manchmal wollen die Familien die Effekten sogar selbst in Bad Arolsen abholen, um vor Ort noch mehr über das Schicksal ihres oder ihrer Verwandten zu erfahren.

Von Zeit zu Zeit führen wir in verschiedenen Ländern auch feierliche Rückgabe-Zeremonien durch. Oft dort, wo auch unsere Ausstellung im Übersee-Container unterwegs ist. Wie zum Beispiel im Sommer 2023, als drei französische Familien in Paris persönliche Erinnerungsstücke ihrer Angehörigen zurückbekamen. Eingeladen zu der Zeremonie hatte die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo.

Gezielte Suchkampagne

Anlässlich wichtiger historischer Jahrestage rufen die Arolsen Archives gezielt Freiwillige auf, sich an der Suche zu beteiligen. Ein Beispiel ist die Kampagne „Der Warschauer Aufstand. 100 unbekannte Geschichten”, die zum 80. Jahrestag des Warschauer Aufstands im August 2024 ins Leben gerufen wurde. Ihr Ziel ist es, Familien von 100 Opfern zu finden und ihnen die letzten Andenken an ihre Angehörigen zurückzugeben.

Formulare zur Effektenrückgabe

So erfolgt die Rückgabe von Effekten

(pdf, 92 KB)

Erklärung zur Rückgabe von Effekten

(pdf, 210 KB)

In Absprache mit den Familien und uns ist es auch möglich, dass die Freiwilligen die Gegenstände zurückgeben. Das ist für beide Seiten ein sehr schöner Abschluss der Suche.

Eine Jugendgruppe der Jugendbegegnungsstätte Auschwitz hat schon mehrfach erfolgreich gesucht und dann die Familien bei der Rückgabe kennengelernt:

All unsere Arbeit und unsere Bemühungen bei der Suche wurden mit der Freude von Frau Mazur belohnt. Wir sind absolut überzeugt, dass wir uns weiterhin am Projekt #StolenMemory beteiligen wollen.

Freiwillige eines Gymnasiums in Oświęcim (Auschwitz), Polen