Die Arolsen Archives, das weltweit umfassendste Archiv über NS-Verfolgte, starten in Zusammenarbeit mit dem Vienna Wiesenthal Institute for Holocaust-Studies ein Pilotprojekt: Bei einem Workshop in Wien lernen Wissenschaftler, die digitalen Sammlungen der Arolsen Archives auf ihrem eigenen Rechner per „Remote Access“ zu nutzen.

Der Workshop „Remote Access to the Arolsen Archives from Vienna: Researching Nazi Persecution, Forced Labour and Displaced Persons“ richtet sich vor allem an Wissenschaftler aus Österreich und den Nachbarländern. Die insgesamt 16 Teilnehmenden bringen bei der Veranstaltung vom 6. – 8. November am Vienna Wiesenthal Institute for Holocaust-Studies (VWI) ihre eigenen Laptops mit. Dann können sie von Wien aus in der Datenbank der Arolsen Archives recherchieren, die in Deutschland betrieben wird. Mitarbeiter des VWI und der Arolsen Archives unterstützen sie dabei, die digitale Suche bestmöglich zu nutzen und informieren über die Geschichte und Aktivitäten der beiden Institutionen.

Die Arolsen Archives sind ein internationales Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Ein Großteil der 30 Millionen Dokumente ist inzwischen digitalisiert. Mit dem neuen Angebot „Remote Access“ sind die Potenziale der digitalen Sammlung nun auch für die Forschung besser nutzbar: Wissenschaftler können für ausgewählte Forschungsprojekte auf die gesamte Datenbank zugreifen. Das war bisher nur vor Ort bei den Arolsen Archives oder bei einer von sieben Partnerinstitutionen weltweit möglich. Einen Zugriff von Österreich aus gab es bisher nicht. Der Workshop in Wien mit Teilnehmenden aus Österreich, Tschechien, Griechenland, Ukraine, Serbien, Litauen, Ungarn und Polen ist der Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen weltweit, mit denen die Arolsen Archives Forscher mit dem Datenbestand vertraut machen wollen.

„Der Fernzugriff auf unser Archiv ermöglicht es neuen Zielgruppen im Bereich der historischen Forschung, unsere Sammlungen zu nutzen“, erklärt Dr. Christian Höschler (stellvertretender Leiter der Abteilung Forschung und Bildung bei den Arolsen Archives), der mit den Workshop-Teilnehmenden die Tiefen der digitalen Sammlung einschließlich ihrer Metadaten erkundet. „Gleichzeitig können wir Ergebnisse und Datensätze aus Forschungsprojekten für unser Archiv nutzen, um zum Beispiel die Durchsuchbarkeit zu verbessern.“

Über die Arolsen Archives

Die Arolsen Archives sind ein internationales Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie beinhaltet Dokumente zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes und ist eine wichtige Wissensquelle für die heutige Gesellschaft.