Wie wollen wir in Zukunft gedenken?

Wie wollen wir in Zukunft gedenken?

Das Meilenstein-Projekt „Jeder Name zählt“ der Arolsen Archives zeigt, wie das heute schon gehen kann.

“Es ist eine bedrückende Aufgabe, aber jeder Name ist ein Baustein, um ein Denkmal zu setzen. Jeder Name verdient einen Moment der Anteilnahme.” Dieses und viele andere Äußerungen zum aktuellen Crowdsourcing-Projekt ‚Jeder Name zählt‘ der Arolsen Archives zeigen das Interesse, aktiv und nachhaltig an einem außergewöhnlichen Gedenkprojekt mitzuwirken. „Wir sind überwältigt vom positiven Feedback zu unserem digitalen Erinnerungsprojekt. Bereits innerhalb der ersten drei Wochen hat unsere Community mehr als 150.000 Namen digitalisiert” freut sich Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives.

Arolsen Archives schaffen Online-Denkmal

Das UNESCO-Weltdokumentenerbe, ansässig in Bad Arolsen, hat bereits 26 Millionen Dokumente in seinem Online-Archiv veröffentlicht und wurde dafür mit dem diesjährigen European Heritage Award ausgezeichnet. Archivdokumente wie Deportationslisten, Inhaftierungsdokumente oder Schreibstubenkarten aus Konzentrationslagern offenbaren nicht nur die perfide Systematik der Bürokratie der Nationalsozialisten, sondern geben Aufschluss über die Schicksale der Überlebenden und Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen.

Um jedoch nach einzelnen Personen suchen zu können, müssen die auf den Dokumenten vermerkten Namen von Hand in die Datenbank eingetragen werden, denn nur ein geringer Anteil der Dokumente lässt sich maschinell erfassen.
Von der Nummerierung auf dem Dokument oder der Häftlingsnummer über den Vor- und Nachnamen bis hin zu möglicherweise vermerkten Geburtsdaten, wird jedes Detail präzise übernommen und einer mehrfachen Überprüfung unterzogen. Erst nachdem jede Information von den freiwilligen Teilnehmenden mindestens zweimal identisch eingegeben wurde, wird sie in die Datenbank der Arolsen Archives übertragen.

Zukunftsorientiertes Gedenken

Floriane Azoulay betont: „Es hat mich bei ‚Jeder Name zählt‘ sehr berührt zu erleben, wie Menschen aller Altersgruppen Namen, Vornamen und Geburtsdaten von Opfern lesen und in die Datenbank eingeben, ohne auch nur im Entferntesten mit ihnen bekannt oder verwandt zu sein. Ein bewegender Moment der Aufmerksamkeit und des Mitgefühls für einen Unbekannten.”

Das Übertragen der Namen führt den Teilnehmenden bildhaft das Ausmaß der damaligen Verbrechen und Tragödien vor Augen – ein aktiver und sogleich zukunftsorientierter Erinnerungsprozess, bleiben die Namen doch dauerhaft für alle in der Datenbank der Arolsen Archives verfügbar und online abrufbar:„Digitales Erinnern ist eine zeitgemäße Möglichkeit des Gedenkens, mit der wir vor allem auch jungen Menschen ansprechen wollen. Es ermöglicht ein aktives, teilhabendes Handeln quasi vom Sofa aus. Indem man die Erinnerung an einzelne Schicksale vor dem Vergessen rettet, entsteht durch das Mitwirken Vieler ein großes Online-Denkmal“.

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