Call for Papers

Trauma-informierte Praxis in Archiven, Ausstellungen, Gedenkstätten und Forschungseinrichtungen

Die Arbeit mit historischen Unterlagen kann eine direkte und/oder wiederholte Konfrontation mit extremer Gewalt, systematischer Entmenschlichung und individuellem Leid bedeuten. In Archiven und Ausstellungen, die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus oder Kolonialismus beschäftigen, scheint dies offensichtlich. Allerdings finden sich belastende Unterlagen auch in vielen anderen Kultureinrichtungen und Archivsparten, selbst dort, wo sie auf den ersten Blick nicht erwartet werden

Das Konzept der trauma-informierten Archivpraxis erfährt im englischsprachigen Diskurs, ausgehend von Kanada und Australien, seit rund 15 Jahren eine theoretische und praktische Fundierung. Im deutschsprachigen Raum stehen wir hingegen noch relativ am Anfang einer systematischen Auseinandersetzung und erst in jüngster Zeit entstehen Publikationen zum Thema. Dabei sind grundlegende Fragen: Was kann die Arbeit mit Unterlagen, die Gewalt dokumentieren, für Betroffene, Mitarbeitende und Nutzende bedeuten? Welche strukturellen Maßnahmen können Institutionen ergreifen, um einen sensiblen und informierten Umgang mit belastenden Unterlagen zu etablieren? Wie lassen sich mögliche sekundäre Traumatisierungen des Personals oder Re-Traumatisierungen betroffener Nutzer*innen vermeiden?

Wir verstehen unter Trauma eine Reaktion auf ein Ereignis oder eine Abfolge von diesen, die Einzelpersonen oder Gemeinschaften überwältigen und langfristige, komplexe Folgen haben können. Sekundäres Trauma bezeichnet Belastungen, die durch die Beschäftigung mit traumatischen Erfahrungen anderer Personen, oder belastendem Material entstehen können, auch ohne eigene direkte Betroffenheit.

Trauma-informierte Praxis geht davon aus, dass die Auseinandersetzung mit belastenden Unterlagen emotionale und körperliche Reaktionen auslösen kann, die ernst genommen werden müssen. Statt diese Reaktionen zu individualisieren oder zu verdrängen, werden sie als Teil der Arbeits- und Vermittlungsrealität verstanden, die institutionell berücksichtigt werden sollten.

Form der Tagung

Wann?

14. – 16. April 2027
Präsenzveranstaltung

Wo?

Bildungszentrum der Arbeiterkammer Wien

Veranstalter*innen

Arolsen Archives
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW)
Mauthausen Memorial (MM)

Die Veranstaltung versteht sich als kollaborative Tagung mit Workshop-Charakter. Neben theoretischem Input wird es Raum für intensiven Austausch zu Fallbeispielen, Erfahrungen und der Entwicklung von Best-Practice-Leitfäden geben. Ein Ziel ist es, voneinander zu lernen, gemeinsam weiterzudenken und über die Tagung hinaus zu wirken.

Call for Papers: Wir suchen Beiträge zu folgenden Schwerpunkten

Einreichung

Einreichungen können zu einzelnen Schwerpunkten erfolgen, aber auch mehrere kombinieren. Wir begrüßen Papers von Institutionen, Community-Gruppen und Einzelpersonen aus unterschiedlichen Disziplinen, darunter Archivwesen, Erinnerungskultur, Museumskunde, Vermittlungsarbeit, Traumaforschung und künstlerische Praxis. Kritische Perspektiven wie postkoloniale Forschung, Gender- und Queer Studies, Disability Studies helfen uns, das Bild zu schärfen. Besonders erwünscht sind Praxisbeispiele, wie zum Beispiel zum Umgang mit Zeugnissen von Menschen, die Repression und Gewalt erfahren haben, mit Sammlungen zu Heim- und Verschickungskindern, mit Materialien aus kolonialen Kontexten und Raubgut, mit Gewaltbildern und Zeugnissen von Täter*innen.

Wir bemühen uns, einen respektvollen, möglichst barrierearmen und diskriminierungssensiblen Rahmen zu schaffen, in dem sich alle Teilnehmenden sicher beteiligen können. Informationen zur Barrierefreiheit sowie zu Unterstützungsangeboten werden rechtzeitig vor der Veranstaltung bereitgestellt. Sollten Sie individuelle Bedürfnisse haben, freuen wir uns über eine frühzeitige Kontaktaufnahme, damit wir gemeinsam nach Lösungen suchen können.

Einreichungsmodalitäten

Die Einreichungs- und Tagungssprache ist Deutsch.

Derzeit ist ein englischsprachiger Online-Vortrag mit deutscher Übersetzung geplant.

Abstract: max. 2.000 Zeichen inkl. Leerzeichen

Kurze Biografie: max. 1.000 Zeichen

Bitte geben Sie an, ob ein Impulsvortrag (20 Min.), der zu einem Panel zusammengefasst werden kann, eine dialogische Präsentation mit Fokus auf Einbeziehung der Teilnehmenden (30–60 Minuten) oder eine Workshop-Session (90–120 Min.) angestrebt wird.

Fristen

Der Call ist geöffnet vom 1. September bis 31. Oktober 2026.

Rückmeldungen der Veranstalter*innen erfolgen bis Ende Dezember 2026.

Um eine möglichst breite Teilnahme zu ermöglichen, planen wir, die Tagung kostengünstig anzubieten. Für Teilnehmende, deren Institution keine Reisekosten übernimmt, können wir auf Anfrage Unterstützungsmöglichkeiten prüfen. Genauere Informationen zu Anträgen auf Kostenübernahme werden rechtzeitig mit der Bestätigung der Einreichung bekannt gegeben.

Bitte senden Sie Ihre Unterlagen in einer PDF-Datei an:
mailing@arolsen-archives.org

Organisation

René Bienert (MM)
Kim Dresel (Arolsen Archives)
Linda Erker (DÖW)
Sabine Heuchler (Arolsen Archives)
Ralf Lechner (MM)
Franziska Schubert (Arolsen Archives)

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und einen produktiven Austausch mit dem wir einen Beitrag zur Etablierung im deutschsprachigen Raum leisten möchten.

Mit freundlicher Unterstützung der Arbeiterkammer Wien realisiert.

Auf einen Blick

CfP Trauma-informierte Praxis

(pdf, 153 KB)

Partner*innen