Grażyna Chrostowska: Gedichte aus Ravensbrück

Grażyna Chrostowska: Gedichte aus Ravensbrück

Zum Internationalen Frauentag starten wir eine Serie, um an starke Frauen zu erinnern, die mit ihrem Lebenskampf und ihrem Willen Zeichen gesetzt haben. Grażyna Chrostowska war eine polnische Dichterin und engagierte Aktivistin im Untergrund. Mit nur 20 Jahren wurde sie im Konzentrationslager Ravensbrück erschossen. In bewegenden Worten beschrieb sie den Kampf der inhaftierten Frauen gegen Angst und Verzweiflung.

Grażyna Chrostowska, geboren 1921 in Lublin, Polen, entstammte einer polnischen Adelsfamilie, war Dichterin und nach Beginn des Zweiten Weltkrieges Aktivistin in der polnischen Untergrundorganisation „Komenda Obrońców Polski“ (Dt.: „Kommando der Verteidiger Polens“). Bereits in ihrer Schulzeit im Lubliner Gymnasium begeisterte sie sich für Literatur und Film, schrieb erste Gedichte, war Mitglied des Schultheaters und Pfadfinderin.

Am 2. Mai 1941 verhafteten die Nationalsozialisten Grażyna, als sie ihre inhaftierte Schwester besuchte. Es folgte die Deportation ins Konzentrationslager Ravensbrück. Mit nur 20 Jahren wurde sie dort zusammen mit ihrer Schwester Apolonia am 18. April 1942 erschossen.

In den Akten des ITS Archivs finden sich neben den Lebensdaten auch handschriftlich verfasste Gedichte, Gebete und sogar eine Zeichnung. Es handelt sich um Kopien, die Originale liegen im Staatlichen Museum Ausschwitz. Als Autorin vermerkt ist Grażyna Chrostowska. Die junge Poetin hat auch während ihrer Inhaftierung im Konzentrationslager Ravensbrück zahlreiche Verse verfasst. Darin schildert sie die Ängste und die Ungewissheit um ihr eigenes Schicksal und das ihrer Mitgefangenen. „Sag mir, warum bist du so blass? Warum zittert deine Hand? Warum flüstern wir? Bin ich etwa an der Reihe?“. Im Lager fand Grażyna Chrostowska zu ihrem Glauben zurück, der ihr Kraft gab, vielleicht sogar Mut. So beschreibt sie in ihrem „Moment des Gebets“: „Ich war so ratlos, und jetzt kann ich alles tun. Dein Arm wird sich um mich legen, Dein Arm wird mich stützen.“

Im Jahr 2007 erschien ein Gedichtband der Dichterin, 2017 feierte der Dokumentarfilm „Za kratą są zielone drzewa…” (Dt.: „Hinter den Gittern stehen grüne Bäume.“) über das Schicksal von Grażyna Chrostowska in ihrem Geburtsort Premiere.

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