Holocaust-Überlebender findet Antworten im Archiv

Als Kind überlebte Dr. Peter Kenedi das Budapester Ghetto

Dr. Peter Kenedi mit Mitarbeiterinnen der Arolsen Archives vor dem Hauptgebäude

Anfang September 2025 besuchte Dr. Peter Kenedi gemeinsam mit seiner Schwester und deren Ehemann die Arolsen Archives für eine Recherche. Der mittlerweile 87-Jährige wurde 1938 als Peter Klein in eine Familie liberaler Juden geboren. Gemeinsam mit seinen Eltern überlebte er das Ghetto in Budapest.

In einem ZDF-Interview erinnert sich Dr. Peter Kenedi an die „Judengesetze“ in Ungarn und die nationalsozialistische Verfolgung: An den gelben Stern, den seine Mutter und Großmutter an die Kleidung nähten, an die Ausgangssperren und Luftalarme, die sie im Keller verbrachten und an die Enge der 4-Zimmer Wohnung, die sie sich mit 40 Personen teilen mussten.

Copyright: ZDF/Anthony Miller

Peter Kenedi hat ein bemerkenswert gutes Gedächtnis, wie er selbst stolz berichtet und wie sich auch im Gespräch mit ihm in Bad Arolsen immer wieder bemerkbar macht. Eine Erinnerung hat sich besonders eingebrannt: Am 23. Oktober 1944 müssen sich alle jüdischen Frauen zwischen 16 und 60 Jahren am Sportplatz versammeln. Peters Mutter nimmt ihn, damals im Grundschulalter, mit. Ihre beste Freundin Erzsébet hingegen lässt ihre kleine Tochter zuhause. Peter und seine Mutter werden, wie die anderen Frauen, die mit kleinen Kindern dort sind, wieder nach Hause geschickt. Erzsébet jedoch verhaften die Nationalsozialisten. Wohin sie gebracht wird und was mit ihr passiert, erfährt Peter Kenedi über 80 Jahre später im Lesesaal der Arolsen Archives.

Häftlingspersonalbogen von Erzsébet im Konzentrationslger Dachau.

Erzsébet Kemeny wird am 03. März 1912 als Erzsébet Gombos in der ungarischen Stadt Kisújszállás geboren. Gemeinsam mit ihrem Mann Dr. József Kemeny lebt sie später in Budapest, die beiden haben eine Tochter. Am 23. Oktober 1944 verhaften die Nationalsozialisten Erzsébet und inhaftieren sie einen Monat später in das Konzentrationslager Dachau. Von dort deportieren sie sie am 17. Dezember 1944 nach Bergen-Belsen, wo sie wahrscheinlich gestorben ist. Auch ihr Mann József überlebt die Verfolgung nicht. Die gemeinsame Tochter überlebt die Verfolgung, verunglückt jedoch tragischerweise in den 1960ern bei einem Autounfall.

Schreibstubenkarte aus dem Konzentrationslager Dachau mit Erzsébets Inhaftierungsdatum in Dachau (24. November 1944) und dem Datum ihrer Überstellung nach Bergen-Belsen.

Mit insgesamt 10 Namen kamen Dr. Peter Kenedi, seine Schwester und sein Schwager nach Bad Arolsen zur Recherche. Zu sechs der gesuchten Personen konnten wir Spuren im Archiv finden – Dokumente, auf denen die Namen von Peter Kenedis Freund*innen und Bekannten zu lesen sind und die Auskunft über ihr Schicksal geben. Diese, auch ihm neuen, Informationen schwarz auf weiß zu sehen, habe eine ganz besondere Bedeutung für ihn.

Seine Erinnerungen will Dr. Peter Kenedi für seine Enkel niederschreiben und somit ein Stück Geschichte bewahren.

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