Vom 15. bis 17. Juni 2026 tagte in Rom der Internationale Ausschuss (IA), das Leitungsgremium der Arolsen Archives. Es war das erste IA-Meeting mit dem seit April 2026 amtierenden Direktor Moritz Wein.
Bei dem Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern der elf Mitgliedstaaten wurden aktuelle Entwicklungen diskutiert, strategische Themen beraten und die weitere Zusammenarbeit abgestimmt. Im Fokus stand auch die anstehende Planung des 80-jährigen Jubiläums der Institution im Jahr 2028. Alle Mitgliedstaaten möchten sich an den Vorbereitungen beteiligen und haben erste Ideen vorgestellt.
Vorsitz des IA wechselt von Italien zu Israel
In Rom wechselte turnusgemäß der Vorsitz des Gremiums von Italien zu Israel. Italien, das dem Ausschuss 2025/26 vorstand, übergab an Israel, das den Vorsitz 2026/27 innehaben wird.
Die italienische Vorsitzende Dr. Sabrina Mingarelli von der Generaldirektion für Archive im italienischen Kulturministerium bedankte sich für das gemeinsame Engagement:
„Es war für Italien eine große Ehre, im vergangenen Jahr den Vorsitz des Internationalen Ausschusses inne zu haben. Nun, da wir diese Verantwortung an Israel übergeben, hoffen wir, einen wertvollen Beitrag geleistet zu haben, und danken allen Mitgliedern des IA sowie der gesamten Organisation der Arolsen Archives für die Zusammenarbeit. Unser gemeinsames Engagement für das Gedenken, die historische Wahrheit und die Menschenwürde geht weit über nationale Grenzen hinaus und steht weiterhin im Mittelpunkt unserer gemeinsamen Mission.“
In die italienische Amtszeit fielen die Ernennung des neuen Direktors der Arolsen Archives sowie unter anderem verstärkte Kooperationen zwischen dem Zentralen Staatsarchiv Italien, dem Staatsarchiv Rom und den Arolsen Archives. Dazu gehört die dauerhafte Bereitstellung von Remote Access zu der zentralen Datenbank der Arolsen Archives, um Forschungsmöglichkeiten auszubauen. Außerdem wurde eine Kooperation zu Dokumenten über „Italienische Militärinternierte“ auf den Weg gebracht.

Bildung und Gedenken weiter fördern
Die neue Vorsitzende des Ausschusses, Arezoo Hersel-Rohila, Diplomatin im israelischen Außenministerium und Leiterin der Abteilung für die Bekämpfung von Antisemitismus und die Erinnerung an den Holocaust, betonte die herausragende Bedeutung der Arolsen Archives gerade in der aktuellen Zeit und skizzierte die Schwerpunkte der israelischen Amtszeit:
„Während des israelischen Vorsitzes wollen wir die unverzichtbare Arbeit der Arolsen Archives weiter stärken ‒ in enger Zusammenarbeit mit Yad Vashem und gestützt auf deren Expertise in den Bereichen Holocaust-Gedenken, Forschung, Bildung und Dokumentation.
Gemeinsam wollen wir den Zugang zu den historischen Quellen erweitern sowie die Geschichten der Opfer der NS-Verfolgung bewahren und zugänglich machen. Unsere Aufmerksamkeit gilt dabei vor allem den jüdischen Gemeinschaften, insbesondere denen, die in der bisherigen Darstellung nach wie vor unterrepräsentiert sind. Gleichzeitig wollen wir Bildung und Gedenken fördern.
In einer Zeit zunehmenden Antisemitismus, der Verfälschung des Holocaust und des Hasses ist die Arbeit der Arolsen Archives wichtiger denn je. Sie erinnert uns daran, dass es beim Gedenken nicht nur darum geht, die Vergangenheit zu verstehen, sondern auch darum, die Gegenwart zu gestalten und die Zukunft zu schützen.“
Was ist der Internationale Ausschuss?
Der Internationale Ausschuss (IA) überwacht die Arbeit der Arolsen Archives im Sinne der ehemals Verfolgten. Das Gremium setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Regierungen der elf Mitgliedstaaten zusammen. Dazu zählen das Königreich Belgien, die Französische Republik, die Bundesrepublik Deutschland, die Hellenische Republik, der Staat Israel, die Italienische Republik, das Großherzogtum Luxemburg, das Königreich der Niederlande, die Republik Polen, das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland sowie die Vereinigten Staaten von Amerika. Der IA tritt regulär zweimal im Jahr zusammen. Der Vorsitz wechselt jährlich.
