Pfarrer Józef Bigus: Ein polnischer Geistlicher im NS-Terrorsystem

Die Lebensgeschichte eines katholischen Priesters, der mehrere Jahre der Haft in Konzentrationslagern überlebte

Schreibstubenkarte (KZ Dachau) von Józef Bigus. Quelle: Arolsen Archives
Schreibstubenkarte (KZ Dachau) von Józef Bigus. Quelle: Arolsen Archives

Pfarrer Józef Bigus überlebte fünf Jahre in deutschen Konzentrationslagern und war Opfer medizinischer Experimente. Als er 1945 das KZ Dachau verließ, hatte er Haft, Zwangsarbeit und medizinische Experimente überstanden. Seine Lebensgeschichte zeigt das Ausmaß der nationalsozialistischen Verfolgung von Geistlichen und Intellektuellen. Erst Jahrzehnte später, im Jahr 2025, erhält seine Familie Informationen und Kopien von Dokumenten über sein Schicksal und damit ein wichtiges Stück Erinnerung.

Am 14. Dezember 1940 deportierten die Nationalsozialisten im Rahmen der sogenannten Intelligenz-Aktion zahlreiche katholische Geistliche in das KZ Dachau. Zu ihnen gehörte der polnische Priester Józef Bigus. Wie viele polnische Geistliche, Lehrer*innen und Sozialaktivist*innen wurde er verfolgt. Er überstand die Hölle der Lager und war Opfer medizinischer Experimente.

Józef Bigus wurde am 3. Februar 1908 in Gowidlino im Landkreis Karthaus geboren. Seine Eltern waren Jan Bigus und Paulina, geborene Gruba. Früh entschied er sich für die katholische Priesterlaufbahn.

Verhaftung, Zwangsarbeit und Lagerhaft

Am 19. Oktober 1939 verhaftete die Gestapo den Priester in Toruń. Er wurde im Fort VII inhaftiert, einem der berüchtigten Haftorte im besetzten Polen. Im Januar 1940 folgte seine Deportation in das KZ Stutthof. Dort und später in Steinbrüchen bei Skarszewy musste er schwere Zwangsarbeit leisten. Weitere Stationen seiner Haft waren das KZ Sachsenhausen (Häftlingsnummer 20946), KZ Oranienburg und schließlich das KZ Dachau, wo er als Häftling 22801 registriert wurde. Aus Lagerunterlagen geht hervor, dass er ab Dezember 1942 Malaria-Experimenten ausgesetzt war.

Befreiung und Neubeginn nach 1945

Die US-Armee befreite das KZ Dachau am 29. April 1945. Bigus wurde als Displaced Person registriert und lebte zunächst in mehreren DP-Lagern, darunter in Ulm. Am 28. Mai 1946 kehrte er nach Polen zurück.

DP Registration Record von Józef Bigus. Quelle: Arolsen Archives.
DP Registration Record von Józef Bigus. Quelle: Arolsen Archives.

Im Jahr 1963 stellte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz eine Anfrage an den Internationalen Suchdienst (ITS) in Arolsen zu Personen, die medizinischen Experimenten ausgesetzt waren. Der ITS verfügte über entsprechende Dokumente und bestätigte 1967 offiziell die Versuche, denen auch Bigus unterzogen worden war.

Nach seiner Rückkehr übernahm er die Pfarrstelle in Matarnia, heute ein Stadtteil von Gdańsk. Dieses Amt übte er bis zu seiner Pensionierung 1983 aus. Er starb 1996 im Alter von 88 Jahren.

Ein Brief an den ITS

In den Unterlagen der Arolsen Archives finden sich auch persönliche Schreiben von ihm. In einem Brief aus dem Jahr 1946 bat er:

Ich bitte Sie höflich, mir eine Bescheinigung über meinen Aufenthalt in Dachau zuzusenden, da ich bisher keine erhalten habe. Ich kam am 14. Dezember 1940 aus Sachsenhausen nach Dachau. Meine Nummer in Dachau war 22801.

Józef Bigus
Briefumschlag der Korrespondenz von Józef Bigus. Quelle: Arolsen Archives

Eine Ausstellung bringt die Geschichte zurück

Im Jahr 2025 eröffneten die Arolsen Archives eine #StolenMemory-Ausstellung im Kaschubischen Museum in Kartuzy. Outreach-Managerin Anna Meier- Osiński traf dort die Neffen von Józef Bigus, Andrzej und Tadeusz Bigus, und überreichte ihnen Kopien der Archivunterlagen.

Die Familie wusste zuvor nicht von der Existenz dieser Dokumente. Erst ein Vortrag der Museumsleiterin Barbara Kąkol über die Arbeit der Arolsen Archives brachte sie darauf, nach Informationen zu suchen. „Er war ein Mensch mit großem Herzen“, sagt Kąkol über den Priester.

Das Kaschubische Museum in Kartuzy. Quelle: www.muzeum-kaszubskie.pl

Erinnerungen, die Józef Bigus Geschichte lebendig halten

Die Erinnerungen der Familie ergänzen die nüchternen Archivdokumente. Die Neffen von Józef Bigus schildern ihn als warmherzigen, tatkräftigen Menschen:

„Wenn er uns auf dem Bauernhof besuchte, zog er sich nach der Messe um, hackte Holz, arbeitete im Garten oder schnitt im Frühjahr die Obstbäume“, erzählt Tadeusz Bigus.

Museumsleiterin Kąkol beschreibt Józef Bigus‘ Predigten als besonders eindringlich und sagt:

„Er war bescheiden und sprach nie über sich selbst – immer standen die anderen Menschen im Mittelpunkt.“

Heute trägt die Grundschule Nr. 1 in Banino seinen Namen: Ein Zeichen dafür, dass die Erinnerung an ihn lebendig geblieben ist.