Anlässlich des ukrainischen Unabhängigkeitstags am 24. August rufen die Arolsen Archives dazu auf, Postkarten von ehemaligen ukrainischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern digital zu erfassen. Die Crowdsourcing-Initiative #everynamecounts gibt Freiwilligen die Möglichkeit, diese einzigartigen Quellen für Forschung, Bildung und Erinnerung zugänglich zu machen. Sie setzen damit zugleich ein Zeichen für die Bedeutung von Erinnerung, denn Russland zerstört in seinem Angriffskrieg bewusst die Geschichte und das kulturelle Erbe der Ukraine.
- Freiwillige weltweit können die Informationen auf den Postkarten digitalisieren – unabhängig davon, ob sie Ukrainisch sprechen oder Erfahrung mit kyrillischer Schrift haben.
- Es handelt sich um rund 13.000 historische Postkarten von ukrainischen NS-Zwangsarbeiterinnen und NS-Zwangsarbeitern an ihre Angehörigen – viele davon kamen nie an.
- Seit 2022 engagieren sich die Arolsen Archives für gefährdete Archive in der Ukraine, die durch den russischen Angriffskrieg bedroht sind.
Zum Hintergrund der Postkarten
Während des Zweiten Weltkriegs wurden fast fünf Millionen Menschen aus der Sowjetunion nach Nazi-Deutschland deportiert – rund die Hälfte von ihnen kam aus der Ukraine. Unter ihnen waren Zwangsarbeit verschleppte Männer, Frauen und Jugendliche. Nach strengen Regeln durften sie Postkarten an ihre Familien schreiben.
„Diese Postkarten aus dem Staatlichen Archiv der Oblast Winnyzja sind stille Zeuginnen einer gewaltvollen Vergangenheit. Indem wir sie jetzt gemeinsam online zugänglich machen, geben wir den Menschen ihre Stimmen zurück und bewahren ihre Geschichten für die Zukunft“, sagt Hanna Lehun, Wissenschaftliche Mitarbeiterin / Archivarin bei den Arolsen Archives.
Warum die Postkarten nie zugestellt wurden
Höchstens zweimal im Monat und ausschließlich auf speziell gedruckten Postkarten mit Antwortblatt durften die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter nach Hause schreiben. Jede Karte wurde von der Auslandsbriefprüfstelle in Berlin kontrolliert. Nach dem Krieg sammelten sowjetische Behörden sowohl beschlagnahmte als auch nicht zugestellte Postkarten ein. Erst Jahrzehnte später wurden sie freigegeben und in regionale Staatsarchive überführt.
Gemeinsam historische Dokumente zugänglich machen
Die Arolsen Archives arbeiten bei diesem Projekt mit dem NGO-Bildungszentrum TolerSpace Kyiv sowie Studierenden der Osteuropäischen Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zusammen. Sie unterstützen die Suche nach Freiwilligen und helfen mit, die Postkarten digital zu erfassen.
Mitmachen bei #everynamecounts
Mitmachen ist einfach: Ein Computer, Internetzugang und wenige Minuten Zeit genügen, um im #everynamecounts-Portal einen Beitrag zum digitalen Denkmal für die Opfer und Überlebenden der NS-Zeit zu leisten.
Pressematerial
Pressefotos
Die folgenden Fotos können im Zusammenhang mit Veröffentlichungen über die Arolsen Archives unter Angabe des Fotocredits genutzt werden. Änderungen oder Verfälschungen der Bilder sind nicht gestattet. Bitte senden Sie uns ein Belegexemplar oder einen kurzen Hinweis mit Link zur Online-Publikation. Für weitere Motive oder höhere Auflösungen wenden Sie sich gerne an unsere Pressestelle.




