Persönlicher Gegenstand eines NS-Verfolgten kehrt zurück

Rückgabe eines Rings in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme

„Silberner Ring mit eckiger Frontplatte, die ein eingraviertes Ornament oder Monogramm zeigt.“
Am 27. September 2025 fand in der Gedenkstätte Neuengamme eine besondere Übergabe statt: Der Ring des ehemaligen Häftlings des Konzentrationslagers Neuengamme Czesław (César) Drozdzyniak wurde an seinen Neffen Michel Drozdzyniak und Familienmitglieder übergeben.

Am 27. September 2025 fand in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme eine besondere Übergabe statt: Der Ring des ehemaligen Häftlings des Konzentrationslagers Neuengamme, Czesław Drozdzyniak, wurde an seinen Neffen Michel Drozdzyniak und
Familienmitglieder übergeben. Die Rückgabe erfolgte im Rahmen der Initiative
#StolenMemory der Arolsen Archives, die zum Ziel hat, persönliche Gegenstände von NS-Verfolgten an ihre Angehörigen zu übergeben. Viele internationale Freiwillige helfen dabei. Eine konnte nun die Familie von Czesław Drozdzyniak ausfindig machen.

#StolenMemory

Armbanduhren und Eheringe, Briefe und Fotos: Die Nationalsozialisten nahmen den
Menschen in den Konzentrationslagern all ihre persönlichen Gegenstände ab.
Die Arolsen Archives verwahren noch etwa 2.000 Gegenstände – sogenannte Effekten –
die darauf warten, an die Nachkommen zurückgegeben zu werden. Viele internationale
Freiwillige helfen dabei. Eine konnte nun die Familie von Czesław Drozdzyniak ausfindig
machen.

Die Geschichte von Czesław Drozdzyniak

Die Übergabe begann mit einer Überraschung für die Mitarbeitenden der KZ-Gedenkstätte
Neuengamme und der Arolsen Archives: Die Geschichte von Czesław ist in der
Familie sehr gut dokumentiert. Familie Drozdzyniak war mit zahlreichen Fotos und Dokumenten, wie beispielsweise Arbeitsausweisen, einem Prämienschein aus dem Konzentrationslager Neuengamme oder Nachweisen der Zugehörigkeit zu Widerstandsgruppen, angereist. Herzstück der Unterlagen ist ein detaillierter Bericht über Verhaftung und Befreiung: Czesław hat ihn handschriftlich im Mai 1945 kurz nach seiner Ankunft in der Heimat verfasst. Dieser Zeitzeugenbericht stellt sowohl für die Familie als auch für die KZ Gedenkstätte Neuengamme und die Arolsen Archives eine wichtige Wissensquelle zum Schicksal von Czesław Drozdzyniak dar.

Czesław Drozdzyniak wurde am 20. Juli 1922 in Chorzemin in Polen geboren. Er emigrierte
mit seinen Eltern nach Waterschei in der Provinz Limburg in Belgien, weil sein
Vater im dortigen Steinkohlebergwerk Arbeit fand. Dort studierte er, änderte seinen Vornamen zu César und war schließlich im Widerstand gegen die deutschen Besatzer aktiv.
Am 2. August 1944 wurde er verhaftet und im Gefängnis Hasselt interniert. Vom Polizeihaftlager Breendonk wurde er am 2. September 1944 in das Konzentrationslager Neuengamme verschleppt. César/Czesław wird gegen Ende des Krieges auf einen Räumungsmarsch ins Außenlager Wöbbelin bei Ludwigslust geschickt. Dort befreien ihn
am 2. Mai 1945 Einheiten der britischen und US-amerikanischen Armeen. Am 18. Mai
1945 kam César/Czesław, schwer erkrankt, wieder in seinem Heimatort Waterschei an.
Vom 20. Juli 1945 bis zum 4. September 1945 hielt er sich im Repatriierungscenter Lembeek
auf. Nur kurz darauf, am 14. Oktober 1945 verstarb er in seinem Heimatort.
Letztes Jahr gelang es Yarden Lenga, einer der Freiwilligen, die für #StolenMemory tätig
sind, den Neffen von Czesław Drozdzyniak in Belgien ausfindig zu machen.

Pressematerial

Download Pressemitteilung 30.09.2025

(pdf, 362 KB)

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