80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben so viele Menschen wie nie
zuvor bei den Arolsen Archives über die Opfer der NS-Verfolgung recherchiert.
- 830.000 Nutzer*innen griffen auf das Online-Archiv zu: fast 20 Prozent mehr als
2024 - Die Zahl der individuellen Anfragen stieg um rund 20 Prozent auf 25.500
- 216.000 neue Freiwillige bei #everynamecounts: 70 Prozent Zuwachs
Hinter den meisten Suchanfragen stehen weiterhin Angehörige von NS-Opfern. „Wir erleben
bei den Familien ein jährlich steigendes Bedürfnis nach Aufklärung“, erläutert Direktor
Moritz Wein, der die Arolsen Archives seit April 2026 leitet. „Unsere humanitäre
Mission ist nicht Geschichte – sie ist Gegenwart.“ Auch das allgemeine öffentliche Interesse
wächst: Im Jahr 2025 stammten erstmals über 10 Prozent der Anfragen von Privatpersonen
ohne direkten Familienbezug. Das spiegelt die Entwicklung der Erinnerungskultur
insgesamt wider, in den vergangenen Jahren sind europaweit verstärkt lokale
Gedenkinitiativen entstanden. „Die Archivbestände und Bildungsangebote der Arolsen
Archives können regionale und lokale Gedenkkultur gezielt stärken. Die Arolsen Archives
wollen diese Entwicklung aktiv unterstützen,“ so Wein weiter.
Virtuelle Recherche und Erinnerung
Das Online-Archiv als zentraler digitaler Zugang zu den historischen Dokumenten ver-zeichnete im letzten Jahr 830.000 Nutzerinnen und Nutzer, das ist ein Plus von 20 Prozent gegenüber 2024. Einen Rekord verbuchte zudem die Crowdsourcing-Initiative #everynamecounts: Hier unterstützten 216.000 Freiwillige aktiv die digitale Erfassung der Dokumente, was einem Zuwachs von 70 Prozent entspricht. Gemeinsam bearbeiteten sie 1,15 Millionen Dokumente, eine Steigerung um 45 Prozent. Parallel dazu stiegen die Nutzerzahlen der 2025 neu gestalteten Website der Arolsen Archives um 44 Prozent auf ebenfalls über 830.000.
Noch immer suchen Familien nach Angehörigen
Auch 2025 gelang es den Arolsen Archives, Nachkommen von NS-Opfern zusammenzubringen, die sich bis dahin nicht kannten. Eine besondere Suche betraf zwei Geschwister, die erst sehr spät und nur durch Zufall von ihrer Halbschwester erfahren hatten – lange nach dem Tod der jüdischen Eltern. Sie hatten den Holocaust überlebt, waren dann aber in verschiedene Länder ausgewandert. Die drei Geschwister leben heute in
Frankreich, den USA und Israel und sind überglücklich, ihre Familien endlich vereint zu
haben. Insgesamt gelang es den Arolsen Archives 80 Jahre nach Kriegsende in vier Fällen,
Familien von NS-Verfolgten zusammenzuführen.
