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Arolsen Archives Jahresbericht 2025

Starke Partnerschaften für Erinnerung und Verantwortung

Mit der Story-Erkundung beginnen

#lostwords: Suchprojekt mit den Staatlichen Archiven Bayerns

Foto: Elisabeth Miletic, Bayerisches Hauptstaatsarchiv

Abschiedsbriefe von NS-Verfolgten

Das neue Projekt #lostwords haben die Arolsen Archives im Juli 2025 gemeinsam mit den Staatlichen Archiven Bayerns ins Leben gerufen. Es erinnert an Menschen, die im Gefängnis München-Stadelheim von den Nationalsozialisten hingerichtet wurden. Kurz vor ihrer Ermordung durften die Verurteilten noch Briefe an ihre Angehörigen verfassen. Mehr als 50 der Abschiedsbriefe wurden nie zugestellt. Jetzt sollen diese letzten Worte – mit der Hilfe von Freiwilligen – die Familien dieser NS-Opfer erreichen.

Aufbewahrt und einsehbar sind die Briefe in den sogenannten Hinrichtungsakten im Staatsarchiv München. Neben der Suche nach den Familien geht es bei dem Projekt darum, diese Akten mit den Dokumenten der Arolsen Archives zu vernetzen, um die Grundlagen für Forschung und Wissen zur NS-Hinrichtungspraxis zu erweitern. Durch die Anbindung an unser Online-Archiv sollen die Briefe künftig online zugänglich gemacht werden.

Was in Archiven liegt, muss nicht abgeschlossen und auserzählt sein: Die Hinrichtungsakten sind Forschungsmaterial und offene Wunde gleichzeitig. Ich freue mich sehr, dass unser Projekt Familien vernetzt, Leerstellen des Gedenkens schließt, und die Wirkung von NS-Unrecht noch einmal drastisch erfahrbar macht.

Dr. Julian Holzapfl, Leiter des Staatsarchivs München

Bewegende Videos

Ein wichtiger Partner im Projekt #lostwords sind die Münchner Kammerspiele. Als „Theater der Stadt“ sind sie eng mit München und seiner Geschichte verbunden. Deshalb haben einige Schauspieler*innen des Ensembles für uns pro bono ausgewählte Passagen aus den Abschiedsbriefen vor der Kamera gelesen. Dabei sind sechs fesselnde Videos entstanden. Hier sind alle Videos abrufbar.

Die ersten Familien sind gefunden

Am 1. Oktober 2025 fand in der Stadtbibliothek des polnischen Ortes Pępowo die erste Übergabe statt. Die Angehörigen von Józef Jankowiak, der 1943 im Gefängnis München-Stadelheim hingerichtet wurde, erhielten eine originalgetreue Kopie mit seinen letzten Worten und Informationen zu seinem Schicksal.

Halina Szczypta besuchte gemeinsam mit ihrer Familie die Arolsen Archives im November 2025. Der Abschiedsbrief ihres Onkels Mieczysław Kopyto hatte die Familie nie erreicht. Geschrieben hatte er die Zeilen 1942 im Gefängnis München-Stadelheim – wenige Wochen bevor er zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.

Der 18-jährige Pole war zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden. Seiner Familie schrieb er, dass er zu Unrecht verurteilt worden sei, deshalb kassierte die NS-Justiz den Brief ein. Bei ihrem Besuch konnte seine Nichte auch die Dokumente über Mieczysławs Schicksal als Zwangsarbeiter einsehen.

Digitale Lernangebote für Jugendliche

Arolsen School: Moderner Zugang zur NS-Geschichte

Die Arolsen School Bildungsangebote vermitteln die Geschichte des Nationalsozialismus zeitgemäß und ansprechend. Auf einer digitalen Bildungsplattform mit explorativen Lernmodulen erhalten Jugendliche spannende Anreize, sich multimedial, spielerisch und aus unterschiedlichen Perspektiven mit aktuellen Fragen zu Geschichte und Gegenwart zu beschäftigen.

Auszeichnungen für die Bildungsplattform

Die innovativen Bildungsangebote der Arolsen Archives finden nicht nur bei Jugendlichen, sondern auch beim Fachpublikum großen Anklang: Im Mai 2025 ist die Bildungsplattform von Arolsen School mit dem zweiten Platz des delina-Innovationspreises für digitale Bildung in der Kategorie Frühkindliche Bildung und Schule ausgezeichnet worden. Außerdem war die Plattform 2025 für den Grimme Online Award in der Kategorie Wissenschaft und Bildung nominiert.

Die Arolsen School Bildungsplattform bietet viele Möglichkeiten. Besonders gut gefallen haben mir die Umfragen. Wenn man die Gruppenfunktion nutzt, kann man die Eingaben der Schüler*innen auswerten und als Diagramm anzeigen lassen. Das ist hochgradig spannend und ein super Ausgangspunkt für weitere Diskussionen.

Wiebke Finster, Lehrerin am Städtischen Gymnasium Erwitte

Neues Lernmodul „Connecting Stories“

Connecting Stories“ ist ein gemeinsames Projekt der Arolsen Archives und der serbischen NGO Terraforming: Das digitale Lernmodul steht seit Ende 2025 auf der Bildungsplattform bereit und soll Lehrkräfte in Deutschland und Serbien unterstützten, Themen rund um Migration spannend und zielgruppengerecht zu vermitteln. Es ist eine Mischung aus Erklärvideo und interaktivem Quiz: Kalina, Schülerin einer deutschen Schule in Belgrad, und Uli, Mitarbeiter bei den Arolsen Archives, besprechen Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Verbindungen zwischen den beiden Ländern, in denen sie aufgewachsen sind.

„Facts not Fiction“: Jugendliche als Forschende

Ende 2025 haben wir das EU-geförderte Kooperationsprojekt „Facts not Fiction“ zusammen mit EuroClio, Terraforming und dem Interkulturellen Institut von Timișoara erfolgreich abgeschlossen: Hierfür recherchierten Jugendliche aus vier europäischen Ländern zwei Jahre die Geschichten von NS-Verfolgten – direkt vor ihrer eigenen Haustür. Entstanden sind beeindruckende Ergebnisse: Podcasts, virtuelle Stadtrundgänge, Graphic Novels und vieles mehr. Ein wichtiger Baustein des Projekts waren Trainings für Bildungsfachkräfte und Multiplikator*innen. 

Foto: Herburg Weiland, Illustration: Hannah Brinkmann

Graphic Novel „Wo ist Lotte?“

Aus dem Projekt „Facts not Fiction“ entstand die Graphic Novel „Wo ist Lotte?“: Ausgehend von einem Brief aus der Sammlung der Arolsen Archives begaben sich Jugendlichen eines Gymnasiums in Gelnhausen auf die Spuren von Lotte Sondheimer. Gemeinsam mit der Künstlerin Hannah Brinkmann und dem Bildungsteam der Arolsen Archives entwickelten sie aus ihren Forschungsergebnissen das Storyboard. Ergänzt wird die Publikation durch historische Quellen, die den Weg der jungen Frau von Gelnhausen bis zu ihrer Ermordung nachzeichnen.

Erinnerung aktiv mitgestalten

In Hamburg und Bremen haben im vergangenen Jahr zwei Schüler*innengruppen die Biografien von NS-Verfolgten aus ihrer Stadt erforscht. Die Projektergebnisse werden 2026 ebenfalls als Graphic Novels im neuen Arolsen School Lernmodul „Die Geschichte hinter den Dingen“ veröffentlicht.

Foto: Laurenz Bostedt

Präsent auf Bildungs- und Vernetzungs-Events

Um neue Partner zu gewinnen, unsere Angebote vorzustellen und mehr Menschen für die Arbeit der Arolsen Archives zu begeistern, haben unsere Teams 2025 an zahlreichen Events und Konferenzen rund um Bildung, Forschung, Digitalisierung und Erinnerungskultur teilgenommen. So waren wir beispielsweise erstmals auf der Digital-Konferenz re:publica sowie auf der größten Bildungsmesse Europas, der didacta, vertreten.

Wir haben gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung und der Konrad-Adenauer-Stiftung im November 2025 zum Civic Education Summit eingeladen: Internationale Pädagog*innen und Forschende kamen in Berlin zusammen. Sie diskutierten neue Ansätze der historisch-politischen Bildung. Außerdem tauschten sie sich über innovative digitale Formate für das Lernen über Politik und Geschichte aus. Dabei entstanden wichtige Netzwerke, um demokratische Werte gemeinsam zu stärken.

Im Haus der Geschichte Bonn war das Bildungsteam der Arolsen Archives im Januar 2025 zu den Aktionstagen anlässlich des Holocaust-Gedenktages vor Ort. Mit interaktiven Medienstationen und Workshops haben wir das Museumsprogramm rund um die Ausstellung „Nach Hitler. Die deutsche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus“ ergänzt. Allein am zentralen Aktionstag, dem 29. Januar, besuchten elf Schulen mit mindestens 300 Schüler*innen das Museum.

27

Workshops zu Arolsen School mit Schüler*innen und Studierenden

36

Veranstaltungen rund um die Plattform für Lehrkräfte und Multiplikator*innen

80 Jahre nach der Befreiung des KZ Ohrdruf

Gemeinsame Gedenkveranstaltung am 4. April 2025 mit vielen Partnern: Am Ort des ehemaligen Häftlingslagers stellte eine Schul-Projektgruppe Gedenkstelen auf. Nach eigenen Recherchen zur Lagergeschichte hatten die Jugendlichen Betonabgüsse nach Gesichtern ehemaliger Häftlinge angefertigt. Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung fanden Workshops statt. Die Schüler*innen konnten sich mit den Angehörigen ehemaliger Häftlinge und US-Soldaten austauschen und mit „Suspekt: Landschaft der Verbrechen“ das Gelände des ehemaligen KZ digital erkunden. 

Der Gedenktag endete mit der Podiumsdiskussion „Gedenken im Wandel – Wie erinnern wir heute?“, die Vertreter der Arolsen Archives und der Gedenkstätte Buchenwald moderierten. Auf dem Podium schilderten Schüler*innen, wie sie sich in regionalen Erinnerungsprojekten gegen das Vergessen einsetzen.

#everynamecounts: Neue Rekorde beim Crowdsourcing

Challenge 2025: Alle Erwartungen übertroffen

2025 gab es zum Holocaust-Gedenktag im Januar wieder eine #everynamecounts-Challenge – diesmal mit Fokus auf den 80. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung. Innerhalb einer Woche digitalisierten 60.000 Freiwillige mehr als 80.000 Dokumente – und übertrafen damit das ursprüngliche Ziel von 27.000 Dokumenten deutlich. Bei der Challenge ging es um die Digitalisierung der Häftlingspersonalkarten, vor allem aus dem Konzentrationslager Auschwitz.

Das ist Erinnerungskultur. Mit niedrigschwelligem Aufwand für Einzelne wird ein bedeutendes Denkmal gesetzt. Jede Akte steht für ein ganzes Leben. Nie wieder heißt erinnern statt vergessen. Dass so viele sich daran beteiligen, das gibt mir Hoffnung.

Jessica Kogoj, Stadtjugendreferentin in Frankfurt

#everynamecounts wächst

Das Engagement zehntausender Freiwilliger für #everynamecounts und ihr begeistertes Teilen der Kampagne über Social Media sorgte dafür, dass sich die Nutzerzahlen 2025 im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht haben. Sie haben gemeinsam doppelt so viele Dokumente wie 2024 bearbeitet.

1,15 Mio.

Dokumente wurden 2025 bei #everynamecounts bearbeitet

216.000

neue Freiwillige haben sich 2025 am Crowdsourcing beteiligt

Social-Media-Push für #everynamecounts

Was ein einzelner Social-Media-Post für das Crowdsourcing bewirken kann, hat im Mai 2025 FUNK, das Content-Netzwerk von ARD und ZDF, auf Instagram gezeigt: Direkt nachdem FUNK die Aktion auf Instagram vorgestellt hatte, stieg die Zahl der bearbeiteten Dokumente an nur einem Tag auf über 65.000 an. Normal sind bei #everynamecounts rund 8.800 Bearbeitungen täglich. Der Post erhielt
über 116.000 Likes, rund 475 Kommentare und wurde über 6.000 mal geteilt. Über 60.000 neue Freiwillige kamen dazu. Auch bei Instagram erhielten wir innerhalb von nur zwei Tagen mehr als 1.000 neue Follower*innen.

Timo Nahler (Arolsen Archives) informierte im Bürgerzentrum Halle mit Dr. Katja Kosubek (Mitte) und Svenja Gerdes vom Stadtarchiv Halle über die #everynamecounts-Challenge. Foto: Westfalen-Blatt / Stefan Küppers

„Lokal-Challenge“ mit dem Stadtarchiv Halle

Im Haller Stadtarchiv sorgte vergangenes Jahr ein Zufallsfund für Aufregung: Eine Mitarbeiterin entdeckte fast 4.000 Meldekarteien von Menschen, die vor und während der NS-Zeit Zwangsarbeit in Halle verrichten mussten. Mithilfe der #everynamecounts-Freiwilligen wurden die Karten im November 2025 digitalisiert. So werden weitere Schicksale von Tausenden Zwangsarbeiter*innen – vor allem aus Mittel- und Osteuropa – online recherchierbar.

Neuer Account-Bereich für die Freiwilligen

Seit Ende 2025 gibt es ein zusätzliches Feature bei #everynamecounts. Wer einen Account anlegt, sieht eine Dokumentation seiner Arbeit. Zudem können Gruppen gemeinsam aktiv werden – das ist beispielsweise hilfreich für die Zusammenarbeit von Schulklassen. So können die Gruppen interessante Dokumente teilen und ihren gemeinsamen Fortschritt nachverfolgen

„Digital Memorial Challenge“ mit Hogan Lovells

Im November 2025 haben wir mit der internationalen Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells zusammengearbeitet: Eine Woche lang beteiligten sich 240 Mitarbeitende weltweit am Crowdsourcing. Die Aktion wurde als „Digital Memorial Challenge“ zwischen verschiedenen Büros organisiert. Gemeinsam erfassten die Mitarbeitenden 9.800 Dokumente – ein großer Erfolg für ein einwöchiges Event. Dabei kam auch erstmals die neue Crowdsourcing-Oberfläche mit den Gruppenaccounts zum Einsatz.

Pfizer-Mitarbeiterin Nina Warnecke beim Digitalisieren für #everynamecounts. Foto: Pfizer

„Force for Good“-Award von Pfizer

Im Januar 2025 erhielten die Arolsen Archives vom Pharmakonzern Pfizer einen Preis für #everynamecounts. Mitarbeiter*innen konnten Projekte vorschlagen, an denen sie teilgenommen haben. Einige Pfizer-Teams hatten sich in den vergangenen Jahren immer wieder bei den #everynamecounts-Challenges engagiert. Der Award ist eine wichtige Anerkennung und brachte uns außerdem eine Spende in Höhe von 17.500 US-Dollar ein.

Erinnerung und Bildung auf Social Media

Arolsen School bei Instagram

Anfang des Jahres 2025 haben die Arolsen Archives bei Instagram einen eigenen Kanal für die Bildungsplattform Arolsen School gestartet. Er richtet sich an Lehrkräfte und Multiplikator*innen. Bis Dezember 2025 folgten uns hier bereits 1.100 Accounts.

Erfolgreiche Posts

Manche unserer Social-Media-Themen erzielen besonders hohe Reichweiten. 2025 war das zum Beispiel alles rund um das Projekt #lostwords – allein ein Video mit dem Schauspieler Luis Brunner brachte uns über 3.500 neue Follower*innen. Am erfolgreichsten war aber das Gespräch mit der Journalistin Georgine Kellermann im Format „Meine, Deine, Keine Geschichte“. Sie lebte jahrzehntelang privat als Frau und gab in ihrem Arbeitsleben eine Männer-Rolle vor. Der Instagram-Post mit ihr erreichte fast 500.000 Impressionen.

2.500

Posts auf unseren Social-Media-Kanälen (2025)

31.000

Neue Follower*innen (2025)

#StolenMemory: Erfolgreich dank engagierter Freiwilliger

Erstes #StolenMemory-Freiwilligentreffen

Seit 9 Jahren gibt es die Initiative #StolenMemory: Dabei helfen uns Freiwillige, persönliche Gegenstände an Angehörige von KZ-Inhaftierten zu übergeben. Im März 2025 haben wir erstmals Freiwillige zu einem gemeinsamen Treffen nach Bad Arolsen eingeladen. Sie kamen aus Belgien, Frankreich, Kanada, den Niederlanden, Spanien, Polen und Deutschland, um sich auszutauschen. Ein besonderer Moment war die Rückgabe persönlicher Effekten: Zwei Ringe von August Hanowski konnten an seine Großnichte übergeben werden.

Bewegende Übergabe in Griechenland

Im Archiv der Arolsen Archives gibt es eine kleine Anzahl persönlicher Gegenstände von NS-Verfolgten aus Griechenland. An der Suche nach den Familien beteiligen sich insgesamt 14 griechische Schulen – und das sehr erfolgreich. Im Juni 2025 fand in Thessaloniki eine Übergabezeremonie statt: Schüler*innen der Oberschule in Aspropyrgos übergaben die Taschenuhr des NS-Verfolgten Theofilos Simonidis an dessen Angehörige.

#StolenMemory besonders erfolgreich in Polen

Dank der engagierten polnischen Freiwilligen und unseres Teams „Outreach Eastern Europe“ hat die #StolenMemory-Kampagne in Polen in den letzten Jahren richtig Fahrt aufgenommen. In Warschau findet sogar immer im Januar ein eigenes Freiwilligentreffen zum Austausch und zur Vernetzung statt. Im Rahmen des Treffens im Jahr 2025 gab es auch eine bewegende Effektenübergabe – an die Großnichte von Stanisław Ładnowski, von dem die Arolsen Archives jahrzehntelang einen Ehering verwahrt hatten.

Im September 2025 übergaben die Arolsen Archives die Taschenuhr von Stanisław Sztylka dem Museum Warschau. Stanisław Sztylka wurde im Rahmen unserer Kampagne „Der Warschauer Aufstand. 100 unbekannte Geschichten“ gesucht, aber es konnten keine lebenden Verwandten gefunden werden. Deshalb gibt das Museum dem Andenken nun einen angemessenen Platz in der Ausstellung zur deutschen Okkupationsgeschichte und hält so die Erinnerung an Stanisław und sein Schicksal wach.

Die Schülerinnen Nina Ziajka und Małgorzata Pasieczna berichteten im April 2025 im polnischen Frühstücksfernsehen über ihre Mitarbeit bei #StolenMemory. Sie hatten beim deutsch-polnisch-ukrainischen Schul-Seminar „Jugend auf der Spurensuche“ teilgenommen, das die Arolsen Archives regelmäßig in Kooperation mit der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz und dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk organisieren. So begann die Suche der Schüler*innen nach der Familie von Zofia Mościcka, deren Enkelin sie schließlich in Warschau fanden, um ihr persönlich den Schmuck der verfolgten Großmutter zurückzugeben.

#StolenMemory im Haus der Geschichte Bonn

2025 wurde im Haus der Geschichte Bonn die neue Dauerausstellung „Du bist Teil der Geschichte. Deutschland seit 1945“ mit einem Bereich zu #StolenMemory eröffnet. Dafür haben wir dem Museum fünf Effekten geliehen und für die Fotowand zahlreiche Fotos aus Brieftaschen von NS-Verfolgten zur Verfügung gestellt. Texttafeln dokumentieren die Schicksale von Heinrich Laubinger, Wilhelm Kurt Oefels, Sabina Goldmann, Fritz Urban und Warwara Zensura.

Ausstellungen in ganz Europa

Vier #StolenMemory-Ausstellungscontainer tourten 2025 durch Deutschland, Polen und Frankreich: An knapp 50 Ausstellungsorten informierten sie über Effekten und Verfolgungsgeschichten von KZ-Häftlingen. Durch Kooperationen mit lokalen Initiativen und Einrichtungen können die Menschen vor Ort mit Biografien und Dokumenten arbeiten und sich selbst auf Spurensuche begeben. Plakat-Ausstellungen unterstützen die Suche in weiteren Ländern.

Vernetzung und Projekte in der Ukraine

#StolenMemory kommt in die Ukraine

2025 haben die Arolsen Archives vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland eine Finanzierungszusage für die Organisation der ersten #StolenMemory-Ausstellung in der Ukraine erhalten. In Kooperation mit der NGO „Kyiv Educational Center TolerSpace“ startet im Januar 2026 eine Tour durchs ganze Land. Die Wanderausstellung zeigt persönliche Gegenstände, die ukrainischen Verfolgten bei der Verhaftung abgenommen wurden und soll zur Suche nach Familien anregen. Zuvor hatten die Arolsen Archives und TolerSpace bereits eine Informationskampagne in der Ukraine gestartet, die ebenfalls vom Auswärtigen Amt gefördert wird.

Projekt „H-Files“: Digitalisierung von Mikroarchiven

Die Arolsen Archives engagieren sich gemeinsam mit der ukrainischen NGO „After Silence“ für die Bewahrung von Mikroarchiven über die NS-Verfolgung in der Ukraine. Sie sollen geschützt, digitalisiert und in lokale und internationale Forschungs-, Archiv- und Wissensnetzwerke integriert werden. Im Rahmen von 13 Digitalisierungskampagnen konnten mehrere Tausend Objekte professionell bearbeitet und erfasst werden – zum Teil in Regionen, die stark vom Krieg betroffen sind.

Die Dokumente liefern hauptsächlich Informationen rund um das Thema Zwangsarbeit. Vor allem sind es Fotografien, die ukrainische Zwangsarbeiter*innen aus Deutschland und Österreich nach Hause geschickt haben. Manchmal finden sich in den Mikroarchiven aber auch Dokumente wie diese Arbeitskarte einer jungen Zwangsarbeiterin aus der Ukraine, die in der Sammlung des Heimatmuseums von Makariw in der Region Kyjiw gefunden wurde.

Digitalisierung ukrainischer Dokumente

Die Arolsen Archives arbeiten eng mit ukrainischen Archiven zusammen. 2025 kamen zwei neue Partnerinstitutionen hinzu: das Nationalmuseum des Zweiten Weltkriegs in Kyjiw und das Staatsarchiv der Region Kirowohrad. Insgesamt erhielten die Arolsen Archives mehr als 250.000 Dateien, die in das Online-Archiv integriert werden. Die Dokumente betreffen vor allem die NS-Zwangsarbeit, enthalten aber auch wichtige Quellen zu ukrainischen Kriegsgefangenen.

Technische Hilfe

Im Rahmen solcher Kooperationen organisieren die Arolsen Archives mit ihren Partnern technische Hilfe für die ukrainischen Archive. Vor allem Ausrüstungen zum Digitalisieren von Dokumenten sind wichtig – wie hier auf dem Foto der Laptop und Scanner für das Staatsarchiv der Region Winnyzja, die mit Unterstützung der Regierung von Luxemburg bereitgestellt wurden. Insgesamt konnten die Arolsen Archives im Jahr 2025 fünf ukrainische Archive mit solchen Ausrüstungen unterstützen.

Hilfsnetzwerk NS-Überlebende

Die Arolsen Archives sind Mitglied im Hilfsnetzwerk für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine. Das Netzwerk versorgt hochbetagte Überlebende mit Lebensmitteln und Medikamenten – darunter die 101-jährige Agripina Scheptyzka, die als Jugendliche zu schwerster Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurde. Der ukrainische Fotograf Kostyantyn Chernichkin hatte sie besucht, um Bilder für eine kommende Wanderausstellung zu machen.

1945 wurden wir befreit, und ich kehrte nach Hause zurück. Jetzt ist das Unglück wieder über uns gekommen – wieder Krieg. Das Leben ist schwer, ständig diese Alarme und Bombardierungen. Aber ich danke dem gesamten deutschen Volk, das uns jetzt so sehr hilft. Danke an alle Menschen, die uns monatlich unterstützen und uns helfen, durchzuhalten.

Agripina Scheptyzka, ehemalige NS-Zwangsarbeiterin
Foto: Kostyantyn Chernichkin

200.000

Euro Spenden durch das Hilfsnetzwerk (2025)

200

Patenschaften für NS-Überlebende durch das Netzwerk (2025)

Bildfunde, Veranstaltungen und Auszeichnungen rund um #LastSeen

Fotografien von NS-Deportationen aus Hamburg

Am 25. Oktober 1941 wurden mehr als 1.000 jüdische Hamburgerinnen und Hamburger ins Ghetto Litzmannstadt deportiert. 2025 gelang es Forschenden im Rahmen der Projekte „#LastSeen. Bilder der NS-Deportationen“ und „Dokumen­tations-Zentrum denk.mal Hannoverscher Bahnhof“, Fotografien dieser Deportation zu identifizieren. Die Forschenden hoffen nun auf Hinweise aus der Bevölkerung, um die abgebildeten Personen zu identifizieren.

Digitale Veranstaltungsreihe

2025 gab es zwei Veranstaltungsreihen zum Projekt #LastSeen. Bilder der NS-Deportationen, gegründet von den Arolsen Archives mit internationalen Partner-Organisationen. Sie thematisierten beispielsweise die Frage, wie Gewalt und Kriegshandlungen das Fotografieren und die Fotografien beeinflussen.

Nominierung für den „Internet-Oscar“

2025 war der Bilderatlas von #LastSeen für die Webby Awards nominiert. Die New York Times nennt den Preis „the internet‘s highest honour“. #LastSeen wurde aus insgesamt 13.000 internationalen Einreichungen als eines von fünf Projekten in der Kategorie Wissenschaft nominiert – eine tolle Anerkennung, auch wenn schließlich ein anderes Projekt gewann.

Weiter mit Kapitel #2

Jahresbericht 2025: Unsere Organisation


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