Es gibt nur wenige noch lebende Zeitzeugen des Nationalsozialismus – und mit dem Verschwinden dieser Generation gewinnt zunehmend die Frage an Bedeutung, wie wir die Erinnerung an die Schrecken dieser Ära bewahren und vermitteln können. Die Arolsen Archives nutzen innovative digitale Methoden, um die Geschichten der Opfer der NS-Zeit für junge Leute heute ebenso wie für zukünftige Generationen zugänglich, sichtbar und lebendig zu halten. So ermöglichen wir es besonders jungen Menschen, ihr Bewusstsein für die Bedeutung und den hohen Wert von Demokratie und Menschenrechten zu schärfen.
Die Initiativen #everynamecounts und #StolenMemory sind zwei Beispiele für die digitalen Ansätze, mit denen wir arbeiten.
#everynamecounts
#everynamecounts ist ein Crowdsourcing-Projekt, das Menschen weltweit einlädt, bei der digitalen Erfassung von Namen und Schicksalen der NS-Opfer mitzuwirken. Dieses Projekt ermöglicht es allen Interessierten, unabhängig von technischen oder historischen Vorkenntnissen, einen wertvollen Beitrag zur Bewahrung der Erinnerung zu leisten, die Namen der Opfer nicht vergessen zu lassen und ihre Geschichten für die Nachwelt verfügbar zu machen. So entsteht ein tieferes Verständnis der historischen Ereignisse und ein Gefühl dafür, wie sinnvoll und wichtig soziales Engagement ist.
#StolenMemory
#StolenMemory fokussiert sich auf die Rückgabe persönlicher Gegenstände an die Familien der NS-Opfer. Die Arolsen Archives bewahren tausende solcher Gegenstände auf, die einst Häftlingen von Konzentrationslagern gehörten. Wir arbeiten mit Freiwilligen zusammen, um die rechtmäßigen Eigentümerinnen und Eigentümer oder deren Nachkommen ausfindig zu machen. Dieses Projekt verleiht der digitalen Erinnerungskultur eine besonders persönliche Dimension, indem es nicht nur die Erinnerung an die Opfer ehrt, sondern auch direkte Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellt.
Diese Projekte sind für unsere Archivarbeit von enormer Bedeutung. Sie demonstrieren, wie digitale Technologien und die Beteiligung der Öffentlichkeit die Art und Weise revolutionieren können, wie wir Geschichte dokumentieren und an sie erinnern. Durch die Beteiligung von Freiwilligen aus der ganzen Welt erweitern wir nicht nur unsere Kapazitäten zur Erfassung und Katalogisierung von Daten, sondern schaffen und befähigen auch eine globale Gemeinschaft, die sich dem Gedenken und der Bildung verschrieben hat. So tragen unsere Projekte dazu bei, ein breites Bewusstsein für die Wichtigkeit der Erinnerungsarbeit zu schaffen, und legen den Grundstein für eine fortgesetzte Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus, die über das bloße Gedenken hinausgeht.
Und schließlich zeigen wir mit unseren Initiativen und vielen weiteren innovativen Ansätzen zur digitalen Erinnerungskultur auch Wege auf, moderne Technologie zu nutzen, um Lehren aus der Vergangenheit zu erhalten, zu vermitteln und in die heutige und künftige Welt zu tragen: Die Verbindung von geschichtlichem Wissen, digitaler Technik und gesellschaftlichem Engagement schafft eine inklusive, dynamische Form der Erinnerungsarbeit, die für die Bewahrung der Menschenrechte und die Förderung der Demokratie von entscheidender Bedeutung ist.