Ein Denkmal aus Papier: Die Geschichte der Arolsen Archives

Wie findet man Vermisste, wenn Millionen auf der Suche sind und das Geschehene immer weiter in die Ferne rückt? Wie entstand das Archiv? Wer nutzte es, und wem stand es offen? Diesen Fragen geht die Dauerausstellung „Ein Denkmal aus Papier. Die Geschichte der Arolsen Archives“ nach.

Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurden von 1933 bis 1945 Millionen von Menschen verschleppt und ermordet. Für die Suche nach Vermissten und die Klärung von Schicksalen entstand in Arolsen eines der größten Archive zu den NS-Verbrechen. Es umfasst über 30 Millionen Akten, Karteikarten und Listen zu Opfern des Holocaust und Häftlingen der Konzentrationslager, zu ausländischen Zwangsarbeiter*innen und den Überlebenden. Am Ende des Zweiten Weltkrieges bauten die alliierten Siegermächte Strukturen auf, um nach Opfern der NS-Verfolgung zu suchen, und nach Dokumenten, die helfen sollten, Schicksale zu klären.

Sarah Talvi

»Man hat mir mein einziges Kind, ein sechsjähriges Mädchen, im Jahre 1944 durch die Deutschen weggeschleppt und weiß ich nur so viel, dass das Kind sich im Lager Birkenau befunden haben soll.«

Sarah Talvi, Athen, 16.11.1948

Daraus ging 1948 der International Tracing Service hervor. Als Provisorium geplant, wurde er zur dauerhaften Einrichtung. Seit 2019 trägt die Institution den Namen Arolsen Archives und ist ein internationales Zentrum über die NS-Verfolgung.

Die Ausstellung auf etwa 160 Quadratmetern wird in Bad Arolsen in einem alten Kaufhaus gezeigt. Dieser Ort ist ein Provisorium. In den kommenden Jahren entsteht ein modernes Archivgebäude, in dem auch die Ausstellung Platz finden wird. Somit steht der jetzige Ausstellungsort auch symbolisch für den Wandel der Arolsen Archives. Rund 245 Exponate bieten einen Einblick in die wechselvolle Geschichte der seit sieben Jahrzehnten andauernden Vermisstensuche und Dokumentation der nationalsozialistischen Verbrechen und erzählen vom Wandel im Umgang mit historischen Zeugnissen sowie den Opfern der NS-Verbrechen. Ein Highlight ist die 26 Meter lange Installation eines Teils der ehemaligen Zentralen Namenkartei.

Die Mappen dokumentieren die Exhumierung von Opfern der Todesmärsche mit Hilfe der Häftlingsnummern auf der Kleidung

Millionen Schicksale – zwei Beispiele

Anhand der Schicksale der jüdischen Holocaust-Überlebenden Esther Bejarano und des ehemaligen Zwangsarbeiters Augustyn Apanasewicz erklären wir die Arbeit mit Anfragen und Dokumenten.

Animationen

Häufige Fragen

Die Ausstellung wird in Bad Arolsen in einem ehemaligen Kaufhaus in der Schloßstraße 10 gezeigt.

Die Ausstellung ist dienstags bis samstags von 14:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.

Öffentliche Führungen für Einzelbesucher*innen in deutscher Sprache finden jeden ersten Mittwoch im Monat um 14 Uhr und in englischer Sprache jeden ersten Dienstag im Monat um 14 Uhr statt. . Bitte melden sie sich aus organisatorischen Gründen an: visitorgroup@arolsen-archives.org

Gruppenführungen in deutscher und englischer Sprache können Sie im Vorfeld ihres Besuchs buchen. Wenden Sie sich dafür bitte an: visitorgroup@arolsen-archives.org

Der Ausstellungskatalog „Ein Denkmal aus Papier. Die Geschichte der Arolsen Archives“ (DIN A4, 219 S., farbig) ist zum Preis von 15 € (Bestellung innerhalb Europas) oder 20€ (Bestellung außerhalb Europas) inkl. Versand in deutscher oder englischer Sprache verfügbar. Bestellungen können Sie unter id@arolsen-archives.org aufgeben. Bitte geben Sie neben Ihrer Lieferanschrift auch an, welche Stückzahl Sie in welcher Sprache (Deutsch/Englisch) beziehen möchten.