Von Familienangehörigen über Wissenschaftler, Journalisten und Hobbyforscher bis hin zu den Überlebenden selbst: Jedes Jahr wenden sich viele tausend Menschen aus der ganzen Welt an die Arolsen Archives, um mehr über das Schicksal von NS-Verfolgten zu erfahren. Die Such- und Aufklärungsarbeit war von Anfang an unser wichtigster Auftrag und beschäftigt auch heute noch die meisten Mitarbeiter. Gefragt sind dabei Empathie, Geschichts- und Fremdsprachenkenntnisse und ein langer Atem.

Die Anfragenden erhalten von uns Kopien von Dokumenten, die im Archiv aufbewahrt werden. Sie bekommen auch Tipps, an welchen Stellen sich die weitere Suche lohnen könnte. Oft möchten die Angehörigen auch nach Bad Arolsen kommen, um sich die Originaldokumente anzusehen. Unsere Mitarbeiter führen sie dann durch das Schicksal ihres Verwandten, erklären die Dokumente und liefern Kontextinformationen über die Systematik der NS-Verfolgung, Zwangsarbeit oder den Alltag in den Konzentrationslagern. Dieser Service gilt nicht nur für Angehörige: Wir recherchieren auch für Hobbyforscher, Historiker, Journalisten und alle, die sich für die NS-Verfolgung interessieren. Jeder darf auch selbst bei uns vor Ort recherchieren und sich dabei auf eine umfassende Beratung und Betreuung durch unsere Mitarbeiter verlassen.

Recherche vor Ort bei den Arolsen Archives

 

Verfolgungswege

Viele der Opfer wurden über Jahre verfolgt, mehrmals verhaftet und an verschiedene Orte verschleppt. Manchmal führte der Terror des NS-Regimes diese Menschen durch ganz Europa. Die Täter dokumentierten die Deportationen, Einlieferungen, Krankheits- und Todesfälle in den Konzentrationslagern akribisch. Diese Unterlagen sind zwar nicht aus jedem Lager erhalten. Dennoch haben die Alliierten bei der Befreiung große Mengen von Dokumenten sichergestellt. Später wurde die Sammlung systematisch erweitert, um so viele Informationen wie möglich aus einer Hand geben zu können.

Kreuz und quer durch Europa: So stellen sich beispielsweise die Verfolgungswege von überlebenden Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen dar, die ab 1945 nach Großbritannien ausgewandert sind.

Heute sind die Mitarbeiter*innen der Arolsen Archives in der Lage, in über 50 Prozent der Fälle Auskunft zu geben. Vielfach sind es nur Bruchstücke des Verfolgungswegs, doch manchmal können sogar alle Stationen eines Opfers von der Verhaftung bis zum Tod oder zur Befreiung dokumentiert werden. Anfragen bleiben aber auch oft ergebnislos, weil die Namen der Opfer nicht überliefert sind: In Vernichtungslagern wie Auschwitz oder bei Massenerschießungen in Osteuropa machten sich die Mörder nicht mehr die Arbeit, die Namen der Menschen zu erfassen.

Den Einzelschicksalen auf der Spur

„Das ist keine Arbeit, sondern eine Mission.“

Malgorzata Przybyla arbeitet seit 1992 bei den Arolsen Archives. Sie hat schon hunderte Anfragen beantwortet, vor allem aus Polen. Ihre Aufgaben erfüllt sie mit Herzblut, denn es gibt ständig neue Herausforderungen: Junge Generationen stellen heute ganz andere Fragen über die NS-Verfolgung als ihre Großeltern. Die Digitalisierung hat die Arbeitsweise revolutioniert. Und jede Suche bringt individuelle Schicksale hervor, die zeigen, welche Auswirkungen der Nationalsozialismus auf Menschen in ganz Europa hatte.

Aktive Suche und Aufklärung

Als Dokumentationszentrum mit dem weltweit größten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus stehen die Arolsen Archives heute im Zentrum der Aufmerksamkeit. Einige unserer Mitarbeiter führen umfassende Themenrecherchen für Forscher oder Journalisten durch oder arbeiten aktiv daran, das Thema NS-Verfolgung öffentlichkeitswirksam darzustellen. Wir treiben auch die Aufklärung der Millionen Schicksale voran, zu denen noch niemand angefragt hat – zum Beispiel mit unserer Kampagne #StolenMemory oder den Suchaufrufen, die wir auf unserer Website und über Social Media starten.

Drei Frauen, drei Generationen

Mirjams Großvater Abraham wanderte nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Dachau ohne seine Frau und Tochter nach Israel aus. Mirjam wollte mehr über ihn erfahren und bat die Arolsen Archives um Hilfe. Die Recherchen ergaben, dass Abrahams jahrelanger Leidensweg durch verschiedene KZs in unserem Archiv gut dokumentiert sind. Eine israelische Hilfsorganisation unterstützte uns bei der Suche nach weiteren Angehörigen und fand schnell heraus, dass Abraham in Israel einen Sohn und eine weitere Tochter hatte. Bei einem Familientreffen in Israel erzählen Mirjam, ihre Tochter und Mirjams Halbschwester Yaffa, wie es sich anfühlt, plötzlich eine „neue“ Familie zu bekommen:

 

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