Internationale Gemeinschaft gegen
die Verzerrung des Holocaust

Internationale Gemeinschaft gegen<br />
die Verzerrung des Holocaust

Mit Vertretern aus 35 Ländern hat die International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) einen Gipfel in Brüssel abgehalten, um ihr Engagement gegen Holocaust-Verzerrungen, Antisemitismus, Antiziganismus und andere Formen der Diskriminierung zu erklären.

Bei dem Ministertreffen im Residenzpalast am 19.01.2020 verabschiedeten die IHRA-Mitgliedsländer eine Ministererklärung, die aus 14 Maßnahmen besteht, um das Ziel der IHRA zu untermauern: sicherzustellen, dass die Menschen des Holocausts gedenken und sich für eine Welt ohne Völkermord einsetzen.

In Zeiten, in denen Juden auf den Straßen und in ihren Gotteshäusern angegriffen und ermordet werden, in denen Holocaust-Verzerrungen sowie Diskriminierung weltweit zunehmen, fasst die Erklärung neue Maßnahmen und Grundsätze zusammen. Jedes IHRA-Mitgliedsland hat sich verpflichtet, dies zu unterstützen und:

  • die Verantwortung zu übernehmen, gegen Holocaustleugnung und -verzerrung, Antisemitismus und alle Formen von Rassismus und Diskriminierung vorzugehen, die grundlegende demokratische Prinzipien untergraben
  • Maßnahmen zu treffen, um Bildung, Gedenken und Forschung über den Holocaust und den Völkermord an den Roma zu fördern und so dem Einfluss der historischen Verzerrung, Hassreden und Aufstachelung zu Gewalt und Hass entgegenzuwirken
  • Ermittlung, Sicherung und Bereitstellung von Archivmaterial, Zeugenaussagen und Gedenkorten für Bildungs-, Gedenk- und Forschungszwecke

Die IHRA 2020 Ministererklärung markiert den Beginn eines historischen Jahres mit dem 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau (27. Januar 1945) und anderer Konzentrations- und Vernichtungslager sowie dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa (8. Mai 1945) und in Asien (2. September 1945).

Kathrin Meyer, Executive Secretary der IHRA, Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives und Botschafter Georges Santer, IHRA-Vorsitzender.

Der IHRA-Vorsitzende und Botschafter Georges Santer stellte die Bedeutung dieser gemeinsamen Erklärung dar: „Wir freuen uns, dass die Minister aus aller Welt heute die Erklärung von 2020 angenommen haben, damit die heutigen und künftigen Generationen die tragischen Ereignisse der Vergangenheit nicht vergessen und die historische Aufzeichnung des Holocaust gesichert wird. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Antisemitismus ist die heutige Erklärung von großer Bedeutung. Wie der IHRA-Ehrenvorsitzende Yehuda Bauer immer sagt, ist Antisemitismus nicht nur eine Bedrohung für Juden, sondern eine zerstörerische Kraft für unsere Gesellschaft im Allgemeinen. Die IHRA-Mitgliedsländer haben sich verpflichtet, diese gefährlichen Entwicklungen zu bekämpfen, die Zeugnisse der Geschichte zu bewahren und die Holocaust-Opfer und Überlebenden zu ehren. Die IHRA wird alle Mitgliedsländer dabei unterstützen“.

Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives, erinnerte die Teilnehmer an ihre in der Stockholmer Erklärung zum Ausdruck gebrachte Verpflichtung, Zugang zu ihren Archiven zu gewähren: „Archive werden nur dann relevant sein, wenn sie völlig offen sind und wenn sie miteinander verbunden sind. In Arolsen verpflichten wir uns, die Namen aller in unserem Archiv dokumentierten Opfer zu veröffentlichen und die Online-Publikation unserer Bestände bis 2025 abzuschließen. Wir freuen uns darauf, Ihnen uneingeschränkten Zugang zu unserem Archiv zu gewähren, damit wir gemeinsam die Puzzleteile zusammenfügen, die uns helfen, die Biographien der Opfer des Holocaust zu rekonstruieren. Um der NS-Verfolgten zu gedenken und ihre Geschichten zu erzählen.“

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