Die Partnerschaft der Arolsen Archives mit den JDC Archives beginnt mit einem gemeinsamen Projekt zur Online-Veröffentlichung der sogenannten Pariser Emigrationskartei. Sie enthält Informationen von jüdischen Überlebenden, die nach 1945 über Paris emigriert sind – unterstützt durch das American Jewish Joint Distribution Committee.

Es geht um die Informationen auf rund 30.000 digitalen Emigrationsdokumenten aus den Arolsen Archives, die nun von den JDC Archives, dem Archiv des American Jewish Joint Distribution Committee, ausgewertet werden. Bislang kann man in der Datenbank der Arolsen Archives nur nach den Namen recherchieren. Das Ziel der Kooperation ist, dass künftig nach allen Informationen auf diesen Karten online recherchiert werden kann. Damit lässt sich dann zum Beispiel abfragen, wer alles am 9. August 1949 nach Australien ausgewandert ist, aus welchen Ländern die meisten Menschen stammten und vieles mehr. Veröffentlicht werden die neu erschlossenen Daten dann 2021 in den Online-Archiven der beiden Partner.

Eine von 30.000 Karten der Pariser Emigrationskartei zeigt die Ausreise von Blanka und Laszlo Hermann von Wien nach Australien am 09.08.1949 – 3.1.3.1. / 80197908 / ITS Digital Archive, Arolsen Archives

Die Sammlung der ‚Emigration Service Cards‘ enthält Informationen zu Personen, die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in verschiedene Staaten Europas, Afrikas, Amerikas, Asiens oder nach Australien ausgewandert sind. Heute erweisen sich diese Dokumente als Informationsquellen für die Aufklärung individueller Verfolgungsschicksale, auch für Genealogen und Familienforscher

Christian Groh

„Das Vorhaben ist eines von mehreren Projekten, das die Bestände der Arolsen Archives besser zugänglich für die Nutzer*innen macht – in Partnerschaft mit ursprünglich abgebenden Stellen, Archiven, Gedenkstätten, oder in diesem Fall Interessenvertretungen.“

Christian Groh, Archivleiter Arolsen Archives
Ausbau der Zusammenarbeit ist geplant

Ausgangspunkt für die Partnerschaft war die internationale Konferenz „Tracing and Documenting Victims of Nazi Persecution“ im Oktober 2018 in Bad Arolsen. Dort hielt Linda G. Levi, Direktor of Global Archives beim American Jewish Joint Distribution Committee, einen Vortrag zu frühen Suchdienstaktivitäten. Ein anschließender Austausch führte zu dem gemeinsamen Vorhaben der beiden Institutionen. „Daran sieht man, wie wichtig die internationale Vernetzung ist“, so Giora Zwilling, Leiter des Referats „Archivische Erschließung“. Die digitale Aufbereitung der Pariser Emigrationskartei ist ein Pilotprojekt. Weitere Projekte befinden sich in der Planungsphase.

Die Arolsen Archives und die JDC Archives

Das Archiv des American Jewish Joint Distribution Committee bewahrt organisatorische Aufzeichnungen und historische Dokumente der humanitären Arbeit des AJDC in über 90 Ländern auf. Das Archiv stellt damit eine der bedeutendsten Sammlungen zur modernen jüdischen Geschichte dar. Die 1914 gegründete Hilfsorganisation diente ursprünglich der Unterstützung jüdischer Opfer des Ersten Weltkrieges. Nach Hitlers Machtergreifung erwies sich das JDC als zentrale Anlaufstelle für die finanzielle Unterstützung deutscher Juden und Jüdinnen und die Koordination ihrer Emigration aus Deutschland. Im Jahr 1948 übernahmen die Arolsen Archives, die unter dem Namen International Tracing Service gegründet wurden, die Original-Dokumente der europäischen Emigrationsbüros des AJDC. Darunter befanden sich auch die Unterlagen des Zentralbüros der Organisation in Paris. Nach über 70 Jahren arbeiten die Organisationen nun zusammen daran, die Unterlagen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.