Neue Initiative #LastSeen: Suche nach Bildern der NS-Deportationen

Am 20. Januar 2022, dem 80. Jahrestag der Wannsee-Konferenz, startet die neue Initiative #LastSeen. Bilder der NS-Deportationen der Arolsen Archives zusammen mit vier Partnern. Bei der Suche nach Fotos von Deportationen aus dem Deutschen Reich zwischen 1938 und 1945 wirbt die Initiative um breite öffentliche Unterstützung.

  • Bundesweiter Start der Initiative #LastSeen der Arolsen Archives & Partner. Es geht um die Suche nach unbekannten Fotos von NS-Deportationen und ein neues Verständnis der Bilder.

  • Eröffnung der #LastSeen-Ausstellung auf einem historischen LKW in München

  • Beginn der deutschlandweiten Tour der mobilen Ausstellung

 

Wer waren die Menschen, die zwischen 1938 und 1945 aus dem Deutschen Reich in Ghettos oder Lager verschleppt wurden? Die Initiative #LastSeen sucht nach Bildern der NS-Deportationen und mehr Informationen dazu. Die meisten der Männer, Frauen und Kinder sind auf den Bildern ein letztes Mal zu sehen – bevor die Nationalsozialisten sie in die Vernichtungslager brachten und ermordeten. #LastSeen startet am 20. Januar 2022, 80 Jahre nachdem bei der Wannsee-Konferenz hochrangige NS-Funktionäre die Umsetzung des Massenmordes an allen europäischen Jüdinnen und Juden besprachen.

 

Mehr Bilder finden, entschlüsseln und verstehen

Bisher sind rund 550 Fotos von NS-Deportationen aus etwa 50 Orten bekannt. Überwiegend dokumentieren sie die Verschleppung der Menschen, die vom NS-Regime als Juden aus der Gesellschaft ausgeschlossen und entrechtet worden waren. Einige wenige Bilder sind von den Deportationen der Sinti und Roma erhalten. Es ist wahrscheinlich, dass es mehr Fotos gibt. Denn die Deportationen fanden in vielen Städten und Gemeinden statt – in der Öffentlichkeit.

Neben der Suche nach Bildern, geht es bei #LastSeen auch um ein neues Verständnis der Fotos. Viele Fragen, die sie aufwerfen, sind bislang nicht beantwortet: Wer ist abgebildet? Wer hat fotografiert? Wann und wo entstanden die Aufnahmen? Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives, erklärt, warum die Mithilfe von Interessierten vor Ort für die Initiative so wichtig ist: „Je mehr Menschen den Historikerinnen und Historikern bei der Suche nach Bildern und Informationen helfen, desto umfangreicher und interessanter werden die Ergebnisse von #LastSeen“.

 

Von München durch Deutschland

Um auf die Initiative aufmerksam zu machen, tourt #LastSeen 2022 durch Deutschland. Eine Ausstellung auf der Ladefläche eines historischen LKWs informiert über die Bilder der NS-Deportationen und erklärt, wie sich Freiwillige an der Suche beteiligen können. Der LKW stammt aus den 1950er Jahren, für den Transport von Verfolgten zu Sammellagern und Bahnhöfen wurden aber ähnliche Fahrzeuge genutzt.

Am 20. Januar wird die Ausstellung in München von Oberbürgermeister Dieter Reiter zusammen mit Dr. h. c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, eröffnet. Die Ausstellung soll auch einen Brückenschlag in die heutige Zeit herstellen, betont Floriane Azoulay: „Die gezeigten Fotos wirken unmittelbar und laden dazu ein, darüber nachzudenken: Wie hätte ich mich damals verhalten? Was mache ich heute, wenn ich Unrecht begegne? Solche Zugänge sind gerade für junge Menschen wichtig, weil die Begegnung mit Zeitzeugen immer seltener möglich ist.“

 

#LastSeen-Webportal und pädagogisches Programm

Erste Ergebnisse von #LastSeen werden Ende 2022 veröffentlicht und stehen damit sowohl der Forschung als auch der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Zudem wird aktuell ein interaktives, partizipatives Tool entwickelt, mit dem Schülerinnen und Schüler das Bildmaterial zu Deportationen lesen und verstehen lernen.

Ziel der Initiative ist es, die Erinnerung ins Heute zu transportieren. Dr. Alina Bothe, Projektleiterin #LastSeen: „Die Deportationen waren ein öffentlich inszenierter Akt der Entwürdigung. Wir möchten dazu beitragen, den Menschen ihre Namen und Geschichten wiederzugeben – und damit auch ihre Würde.“

Das Projekt wird von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) im Rahmen der Bildungsagenda NS-Unrecht gefördert. Mehr Informationen: www.stiftung-evz.de/bildungsagenda

 

Pressefoto: Deportation aus München

Diese Mädchen wurden am 20.11.1941 aus dem Lager Milbertshofen bei München nach Kaunas im besetzten Litauen deportiert und dort ermordet.

Fotocredit: Fotograf*in unbekannt, Stadtarchiv München DE-1992-FS-NS-00013

Pressefoto: Deportation aus Asperg

Das Foto zeigt, wie 500 Menschen am 22.5.1940 in Asperg vom Sammellager zum Bahnhof geführt werden – für den Transport ins besetzte Polen.

Fotocredit: „Rassenhygienische Forschungsstelle“, Fotograf*in unbekannt, 22.5.1940, Barch R 165, 244-42

Pressefoto: Deportation aus Hohenlimburg

Am 28.4.1942 holte die Gestapo die Familien Löwenstein, Meyberg, Erna Levy und Henriette Schlesinger ab und brachte sie nach Hagen.

Fotocredit: Fotograf Rudolf Ante, 28.4.1942, Stadtarchiv Hagen

 

Pressefoto:
Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives

Fotocredit: Arolsen Archives

 

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