Neue Perspektiven auf Quellen zur Deportation im Nationalsozialismus

Neue Perspektiven auf Quellen zur Deportation im Nationalsozialismus

Vom 2. bis zum 4. November 2020 veranstalten die Arolsen Archives die Konferenz „Deportationen im Nationalsozialismus – Quellen und Forschung“. Im Fokus stehen neue vergleichende und systematisierende Forschungsansätze, wie sie zum Beispiel durch quantitative Auswertung der Quellen ermöglicht werden. Zum ersten Mal führen die Arolsen Archives eine große, internationale Fachtagung komplett online durch. Die Anmeldung ist ab sofort möglich!

Im Zentrum der Konferenz stehen Quellen zur Deportation im Nationalsozialismus. Bewusst wurde das Thema darüber hinaus inhaltlich weit gefasst: Neben Quellen zur Deportation von Jüdinnen und Juden, nimmt die Konferenz auch Quellen zur Deportation von Sinteze und Sinti sowie Romnja und Roma in den Blick. Wurden diese Gruppen bisher weitgehend separat betrachtet, soll nun diskutiert werden, inwiefern die Erkenntnisse aus der Forschung zu einer Verfolgtengruppe die Erforschung der anderen Gruppen bereichern können.

Vor dem Hintergrund neuer Forschungsperspektiven soll es auch um eine Bestandsaufnahme der Quellenlage gehen. Während es für manche Transporte, Zeiträume, Personengruppen und Orte eine umfangreiche Dokumentation gibt, sind andere Quellen weitgehend unerschlossen.

Akim Jah

Es gibt Bestände, die bislang nicht systematisch ausgewertet wurden, weil sie in wenig bekannten Archiven aufbewahrt werden. Es ist uns ein zentrales Anliegen, diese Quellenlage mit Blick auf die Erkenntnispotentiale und digitale Erschließungsprojekte zu beleuchten.

Akim Jah, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Forschung und Bildung

Neu gescannte Dokumente ermöglichen neue Forschung

Die Arolsen Archives übernehmen einen aktiven Part bei der Verbesserung der Quellenlage: Die fortlaufende Digitalisierung, Erschließung und Veröffentlichung im Online-Archiv, zum Beispiel der neu gescannten Berliner Transportlisten oder von Dokumenten der Jüdischen Gemeinde Leipzig, bietet Ansatzpunkte für neue Forschungsprojekte.

In der Vergangenheit wurden die Daten zu den Deportationen meist linear ausgewertet, um einzelne Transportwege oder Lebenslinien zu nachzuzeichnen. Es fehlte jedoch eine Gesamtschau. Digitale Methoden eröffnen nun die Möglichkeit, die Dokumente neu zu erschließen und große Datenmengen miteinander in Relation zu setzen. Quellen mit vermeintlich wenig Informationsgehalt können so neu ausgewertet werden.

Inhaltlich baut die Konferenz auf einer Tagung im Juni 2019 des Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften auf. Neben renommierten Forscher*innen werden auch Nachwuchswissenschaftler*innen ihre Projekte und Forschungsergebnisse präsentieren. Auch die Herkunft der Referent*innen, unter anderem aus Südosteuropa, aus Israel und den USA, verspricht eine multiperspektivische Auseinandersetzung mit dem Thema. Zwölf Panels bieten die Möglichkeit zum intensiven Austausch. Für alle Veranstaltungen wird eine Simultanübersetzung Deutsch/Englisch angeboten.

Ursprünglich sollte die Konferenz, für die die Deutsche Bahn als Sponsor gewonnen werden konnte, in der Akademie der Deutschen Bahn in Potsdam im Kaiserbahnhof stattfinden. Aufgrund der Corona-Pandemie fiel der Entschluss, die Konferenz als eine Zoom-Videokonferenz auszurichten (https://zoom.us). Die Einwahldaten werden den registrierten Teilnehmer*innen kurz vor der Konferenz zur Verfügung gestellt.

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