Online-Tool der Arolsen Archives: Neues Wissen über die Überlebenden der NS-Verfolgung

Online-Tool der Arolsen Archives: Neues Wissen über die Überlebenden der NS-Verfolgung

Das Online-Archiv der Arolsen Archives wächst und damit auch die Notwendigkeit, die veröffentlichten Dokumente zu erklären. Das macht der e-Guide, ein Online-Tool, das Dokumente anschaulich und interaktiv beschreibt. Der erste Teil lieferte Informationen zu KZ-Dokumenten. Nun ist der zweite Teil erschienen, der den Dokumenten über Menschen gewidmet ist, die nach 1945 als Überlebende der NS-Verfolgung von den Alliierten versorgt wurden.

Nach dem Krieg kümmerten sich die Alliierten sowie zahlreiche Hilfsorganisationen um die Überlebenden der Konzentrationslager, die befreiten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und all jene, die damals als Displaced Persons (DPs) bezeichnet wurden. Den in diesem Zusammenhang entstandenen Dokumenten über viele Millionen Menschen widmet sich der neuste Teil des e-Guides. Dieses Kapitel der Nachkriegsgeschichte ist nur wenig bekannt. Der e-Guide erklärt anhand von ausgewählten Dokumenten, wie und mit welchen Hilfen die Menschen den Weg in ein neues Leben fanden.

Was brauchten die Befreiten nach 1945?

Von Schuhen über Mützen und Schlafanzügen zu Handtüchern – viele DPs benötigten nach Kriegsende selbst grundlegende Kleidung und Gegenstände. Die Hilfsorganisationen der Alliierten, wie zum Beispiel die United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA), verteilten die benötigten Gegenstände und vermerkten dies mit Zahlencodes auf den Registrierungskarten. Diese Zahlencodes und weitere Abkürzungen entschlüsselt der neue Teil des e-Guides. Spannend ist auch, dass sich anhand der erklärten Dokumente der Weg von der ersten Versorgung bis hin zur Emigration nachzeichnen lässt. Das eröffnet einen neuen Blick auf das Leben der DPs – sowohl für die Forschung als auch für Familienangehörige.

Die meisten Dokumente, die der e-Guide jetzt zusätzlich beschreibt, stammen aus der sogenannten Nachkriegszeitkartei, die Anfang 2020 im Online-Archiv der Arolsen Archives veröffentlicht wird. Dann werden nicht nur alle darin enthaltenen Personendaten zur Verfügung stehen, sondern mit dem e-Guide zudem ein durchdachtes Werkzeug zur Erklärung dieser Kartei, die rund 3,5 Millionen Dokumente umfasst.

Der zweite Teil des e-Guides erklärt Dokumente wie diese sogenannte DP-2-Karte, die von den Alliierten zur Registrierung von Displaced Persons genutzt wurde.

Für den in deutscher und englischer Sprache vorliegenden e-Guide haben die Arolsen Archives intensiv zu den Dokumenten geforscht, internationale Forschungsergebnisse gesammelt und in Zusammenhang mit dem Inhouse-Wissen über die Dokumente gebracht. Das Ergebnis ist ein Online-Tool, das zum Erkunden der Dokumente einlädt und sowohl Interessierten als auch Experten auf anschauliche Weise viel Wissenswertes vermittelt. Der dritte und letzte Teil des e-Guides wird sich den Dokumenten über ost- und westeuropäische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter widmen und Ende 2020 erscheinen.

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