Nur wenige Menschen wissen, dass sich auch Menschen aus den französischen Kolonien der Résistance-Bewegung gegen die Nazis anschlossen. Djaafar Khemdoudi war einer von ihnen. Er kam ursprünglich aus Algerien. Indem er Dokumente fälschte, rettete Djaafar viele Menschen vor der Deportation, bevor er selbst verhaftet und von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager Neuengamme gebracht wurde.

„Mein Vater sprach zwar wenig über seine Zeit im KZ“, sagt Djaafars Tochter Malika Mentrel. „Aber er hat beispielsweise erzählt, dass er und die anderen Häftlinge vor Hunger alle Kartoffeln aus der Schubkarre eines Bauern an einem Feld gestohlen und sie mitsamt der Erde verschlungen haben.“ Sichtlich erschüttert erzählt Malika Mentrel, dass ihr Vater sogar Leichen aus der Gaskammer verscharren musste. Sie besuchte die Arolsen Archives zusammen mit ihrem Bruder Jacques Khemdoudi, um die persönlichen Gegenstände des Vaters – einen Ring und eine Uhr – aus dem Archiv entgegenzunehmen.

Besuch bei den Arolsen Archives

Jaques Khemdoudi (Mitte) und seine Schwester Malika Mentrel (rechts daneben) kamen mit ihren Ehepartnern (jeweils ganz rechts und links zu den Arolsen Archives, um die persönlichen Gegenstände ihres Vaters abzuholen. Nathalie Letierce-Liebig, Koordinatorin der Suchabteilung der Arolsen Archives, sprach mit ihnen über Djaafar Khemdoudis Geschichte.

Dolmetschen für die Besatzer

Djaafar Khemdoudi wurde am 12.11.1917 in Aumale (heute: Sour El-Ghozlane) in Algerien geboren, was damals noch eine französische Kolonie war. Als Jugendlicher ging er allein nach Frankreich. Djaafar sprach sehr gut Französisch und hatte die mittlere Reife, weshalb er während der deutschen Besatzung in der Kommandantur von Lyon als Dolmetscher arbeiten musste. Die Nazis verlangten von ihm, für junge Algerier zu übersetzen, die nur arabisch konnten und zur Zwangsarbeit nach Deutschland geschickt werden sollten.

Viele Menschen gerettet

Um seinen Landsleuten die Zwangsverpflichtung zu ersparen, schrieb Djaafar falsche Gesundheitszeugnisse und stellte gefälschte Papiere aus, damit sie in den unbesetzten Teil Frankreichs fliehen konnten. So konnte er viele Menschen – neben den Algeriern auch Juden und andere Europäer – vor der Deportation retten. Djafaar wurde aufgrund einer Denunziation verhaftet. Er wurde in den französischen Internierungslagern Montluc und Compiègne inhaftiert und Ende Juli 1944 ins Konzentrationslager Neuengamme deportiert. Ende März/Anfang April 1945 kam er auf einen Evakuierungstransport ins Konzentrationslager Ravensbrück, wo er am 14. April befreit wurde.

In Frankreich werden die Résistance-Kämpfer aus Nordafrika auch als „Indigene des Widerstands“ bezeichnet. Sie gelten als verborgene Helden, die mit ihren Geschichten kaum ans Licht der Öffentlichkeit traten.

Das gilt auch für Djafaar, der nie ein Interview geben wollte. Seinen Kindern ist es auch wichtig, dass ihr Vater bei den Arolsen Archives als Franzose geführt wird und nicht als Algerier – schließlich hat er im französischen Widerstand gekämpft. Sie sind stolz darauf, dass er für seine Verdienste als Offizier der Ehrenlegion ausgezeichnet wurde und nach seinem Tod eine Gedenkplatte in seiner ehemaligen Zelle in der Gedenkstätte Montluc bekam.