Nach 70 Jahren
jetzt im Blick
der Forschung

Nach 70 Jahren<br />
jetzt im Blick<br />
der Forschung

Die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte in einem größeren Kontext der wissenschaftlichen Forschung prägte das Jahr 2018 – das letzte Jahr unter dem Namen International Tracing Service. Zum einen wurde die Präsenz vor Ort durch die Vorbereitung der Dauerausstellung „Ein Denkmal aus Papier. Die Geschichte der Arolsen Archives“ unterstrichen. Zum anderen hat die vorbereitende Konferenz zur Suche und Schicksalsklärung von NS-Verfolgten gezeigt, welche Zugkraft die Institution und ihre Themen für die internationale Forschung haben.

Austausch, Ansätze und Erkenntnisse

„Tracing and Documenting Victims of Nazi Persecution: History of the International Tracing Service (ITS) in Context” – so der Titel der Konferenz zu Geschichte und Arbeitsweise, im historischen und aktuellen Kontext. Unsere Videos geben einen Einblick, worum es ging und was Teilnehmende von den zwei Konferenztagen im Oktober 2018 bei den Arolsen Archives mitnahmen.

Neuland für die Forschung

120 Expert*innen aus 12 Ländern kamen im Herbst 2018 nach Bad Arolsen. „Unser 70-jähriges Jubiläum war eigentlich nur der Anlass“, sagt Henning Borggräfe, Leiter der Abteilung Forschung und Bildung. „Zwei Gründe die Konferenz auszurichten standen für uns im Vordergrund: Einerseits wollten wir die Schwerpunkte unserer Ausstellung im Austausch mit anderen Institutionen diskutieren. Andererseits war es uns wichtig, Fachleute zusammenzubringen, um die Forschung für das Thema weiter zu öffnen.“

Auch wenn die Geschichte der Suche nach NS-Opfern und der Dokumentation von Schicksalen vor vielen Jahrzehnten begann, ist sie kaum Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten. Die Tagung beleuchtete sie von unterschiedlichen Seiten und zeigte ihr kulturhistorisches Potenzial. Zum Beispiel ging es um wenig bekannte Aspekte wie das Nebeneinander unzähliger Suchorganisationen, teils schon zu Kriegszeiten. Aber auch die Zukunft der Archive stand auf dem Programm. „Die Konferenz war ein gelungener Auftakt zur Platzierung des Themas in der historischen Forschung“, so Henning Borggräfes Fazit. Eine Publikation wird voraussichtlich Anfang 2020 folgen. „Für die Ausstellung war besonders die Vergleichsperspektive zu anderen Einrichtungen spannend und erkenntnisreich. Wir haben Unterschiede, Parallelen und typische Problematiken erarbeitet.“

Hoher Anspruch – niederschwelliger Zugang

2018 war das Jahr, in dem die Dauerausstellung der Arolsen Archives maßgeblich entstand. Ein Drehbuch für die Präsentation der Themenschwerpunkte und Fallgeschichten wurde geschrieben, die passenden Dokumente herausgesucht, alle Texte erstellt, die Räume und Exponate vorbereitet. „Wir machen die thematischen Schwerpunkte auch über Biografien greifbar, die dem Publikum einen konkreten Menschen mit seinem Schicksal nahebringen“, erklärt Henning Borggräfe.  Biografieboxen stellen Personen verschiedener Verfolgten-Gruppen aus unterschiedlichen Ländern vor und vermitteln ein breites und dennoch detailliertes Bild der Verfolgungsgeschichte. Dieser Ansatz sorgt zusammen mit leicht verständlichen Erklärungen dafür, dass alle Interessierten einen einfachen Einstieg in die Ausstellung finden.

Um die Dimensionen des Archivs anzudeuten, wurde 2018 begonnen, einen Teil der Zentralen Namenkartei als Exponat aufzubauen. Etwa 4.000 der insgesamt 25.000 Kästen mit Karteikarten zu Personen mussten in der originalen alphabetisch-phonetischen Reihenfolge an der Wand des Ausstellungsraums aufgebaut werden. „Ein erheblicher Arbeitsaufwand, der sich jedoch lohnt“, so Henning Borggräfe. Ursprünglich wichtiges und alltägliches Arbeitsmittel der Arolsen Archives ist die Namenkartei heute UNESCO-Welterbe. Abrunden wird die Ausstellung der zugehörige Katalog auf Deutsch und Englisch. Zudem entsteht auch eine Online-Version der Ausstellung.

Alte Rollwagen für Archivgut als Rahmen für modernes Ausstellungsdesign: An interaktiven Stationen können Besucher*innen sich anschaulich informieren – hier zum Beispiel mit animierten Filmen zur Arbeitsweise des Archivs. Der Schlüssel dazu sind Karten, die alle Besucher am Eingang erhalten. Sie sehen aus wie Karteikarten aus dem Archiv und geben Hinweise zu einer Holocaust-Überlebenden und einem sowjetischen Zwangsarbeiter.