Gut vorbereitet: Material für den Besuch ehemaliger KZ

Viele junge Menschen wissen wenig über die NS-Verfolgung – obwohl die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus fest in den Lehrplänen der Schulen verankert ist. Selbst bei Schüler*innen, die ehemalige KZ besuchen, bleibt zu oft kaum etwas im Gedächtnis. Das zeigen Studien. Die Arolsen Archives unterstützen Pädagog*innen, zum Beispiel mit Materialien für Gedenkstättenfahrten, die Schüler*innen in ihrem Alltag abholen.

Die Arolsen Archives kooperieren mit Gedenkstätten und entwickeln Ideen für die pädagogische Arbeit – mit Bildungsangeboten, die auch in straffe Lehrpläne passen. Das Projekt documentED bietet individualisierte Toolkits für die Vor- und Nachbereitung von Gedenkstättenbesuchen. Diese Lernpakete enthalten neben ausgewählten Dokumenten mit Bezug zum jeweiligen KZ auch Arbeitsaufträge sowie Hinweise, wie man das historische Quellenmaterial im Unterricht sinnvoll einsetzt. Sie geben Impulse, sich mit den Schicksalen einzelner NS-Opfer auseinanderzusetzen. Darüber wird der Kontext interessant und verständlich, sowohl in seiner historischen als auch in seiner aktuellen Dimension.

Thomas Buergenthal

»Je früher wir Kinder unterschiedlichen Alters mit der Existenz dieser Akten und ihres Inhalts vertraut machen, desto einfacher wird es sein, die Geschichte des Holocaust und anderer Massenmorde zu vermitteln. Jede neue Generation von Kindern muss mit dieser schrecklichen Vergangenheit und ihren schrecklichen Folgen vertraut gemacht werden.«

Thomas Buergenthal, Holocaust-Überlebender

In der Testphase: das Projekt documentED

Seit Mai 2019 wird documentED in einem ersten Schritt über einige Gedenkstätten für Lerngruppen angepasst und erprobt. Die Arolsen Archives arbeiten dabei mit den KZ-Gedenkstätten Buchenwald, Mittelbau-Dora, Dachau sowie dem Max Mannheimer Studienzentrum in Dachau zusammen. Nach der Auswertung der Testphase wird das Projekt 2020 in größerem Rahmen an den Start gehen: Ein breites Angebot ist geplant, auch mit einer englischen Version.

Bezug zum eigenen Leben

documentED wurde und wird für Lerngruppen entwickelt, die Gedenkstätten für Verfolgte und Ermordete des NS-Regimes besuchen. Der Name setzt sich aus „documents“ und „education“ zusammen: Ausgangspunkt sind individuelle Dokumente über NS-Verfolgte, die den Einstieg in das Thema greifbar und einfach machen. Das Besondere daran ist, dass die Toolkits an die jeweilige Lerngruppe angepasst werden.

Durch die große Anzahl von individuellen Unterlagen zu NS-Verfolgten in den Arolsen Archives lässt sich häufig ein direkter Bezug herstellen: Das können Dokumente zu KZ-Häftlingen sein, die aus demselben Ort oder derselben Region wie die Besuchergruppe stammten oder die bei ihrer Inhaftierung selbst noch Jugendliche waren. Dies knüpft direkt an die eigene Lebenswelt an und motiviert zu einer tieferen Auseinandersetzung mit dem Thema. Die abstrakten Fakten aus den Geschichtsbüchern lassen sich leichter greifen und begreifen.

Die Geschichten der NS-Verfolgten müssen erzählt werden – immer wieder und immer wieder neu. Nur so erreichen sie kommende Generationen und wir halten das Wissen wach.

Kritischer Umgang mit Quellen

documentED leitet vom individuellen Schicksal zu einem breiteren Kontext: Aus welchen Gründen wurden Menschen von den Nationalsozialisten inhaftiert? Was war die Funktion der Konzentrationslager und wie waren sie innerhalb des NS-Terrorsystems organisiert?

Ein Teil des Toolkits richtet sich an die Lehrkräfte. Die praktische Einleitung zeigt nicht nur, wie das Material einzusetzen ist. Sie greift beispielsweise auch häufige Fragen der Schüler*innen auf und bereitet somit optimal auf den Einsatz im Unterricht vor. Um die Quellen zu verstehen, sind die passenden Links und Auszüge aus dem e-Guide der Arolsen Archives beigefügt. So erarbeiten sich die Schüler*innen Antworten auf viele Fragen, die solche Täterdokumente aufwerfen. Schritt für Schritt macht die eigene Recherche den Gruppen klar, wie die Dokumente zu lesen sind und was sie im Kontext bedeuten – und vermittelt die Kompetenz, selbständig zu lernen und kritisch mit Quellen umzugehen.

Nach dem Besuch: Ideen für eigene Projekte

Wenn Jugendlichen Raum für Kreativität geboten wird, fördert das den Lernerfolg. So wichtig wie die Vorbereitung der Gedenkstättenbesuche ist die Umsetzung eigener Projekte danach. documentED gibt deshalb Anregungen, selbst aktiv zu werden und ein Zeichen zu setzen. Überschaubar und machbar, das ist die Idee dahinter. Social Media und digitale Formate bieten dazu heute Möglichkeiten, aber auch eine klassisch „analoge“ Plakatausstellung. Selbstverständlich besteht auch die Option, aufwändige kreative Projekte umzusetzen, zum Beispiel im Rahmen von AGs. Es wird nach der Testphase die Möglichkeit geben, die Ergebnisse von documentED-Projekten in Form von Fotos, Audios oder Videos zentral auf der Website der Arolsen Archives zu präsentieren.

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