… heißt die Biografie, die Claudine Bons-Bourguignat über ihren Großvater geschrieben hat. Trotz intensiver Recherchen über sein Schicksal erfuhr sie erst durch den ITS, warum Jean Vergne ins Konzentrationslager deportiert wurde.

Claudine hörte zum ersten Mal von ihrem Großvater im Jahr 1959, als sie 12 war. Da wurden seine Überreste aus dem früheren deutschen Konzentrationslager Sandbostel, wo er am 18. April 1945 gestorben war, nach Frankreich überführt. Mit seinem Leichnam kam auch die Taschenuhr von Jean Vergne zurück nach Frankreich, die er bei seiner Verhaftung bei sich getragen hatte. Bis heute liegt diese Uhr in der Nachttischschublade von Claudine.

Ihr Großvater wurde am 11. Mai 1944 mit rund 40 anderen Männern in Latronquière, einem kleinen Dorf im Departement Lot, verhaftet. Er kam in das französische Internierungslager Compiègne und wurde von dort am 4. Juni 1944 in das Konzentrationslager Neuengamme deportiert. Nach einigen Wochen wurde Jean zum Außenlager Meppen-Versen überstellt und dort zur Zwangsarbeit eingesetzt. Ende März 1945 wurde er von der SS mit anderen Häftlingen in das Sterbelager Sandbostel gebracht.

Das alles hatte die Familie selbst herausgefunden, seit Claudine und ihr Mann in den 80er Jahren angefangen hatten, sich mit Genealogie zu befassen. In den 90er Jahren übernahm die Tochter Christelle die Nachforschungen zu ihrem Urgroßvater Jean. Als angehende Bibliothekarin wusste sie, in welchen Archiven zu suchen ist und so wurde seine Geschichte präziser. Was die Familie vor allem umtrieb: Warum hatte sich Jean in Latronquière aufgehalten, wo er doch in Paris lebte? Und wieso verhaftete ihn die SS?

Im Jahr 2017 entdeckte Christelle die persönlichen Gegenstände von Jean – einige Fotos und seine Brieftasche – im Digitalarchiv des ITS. In der Datenbank fand sie außerdem eine Karteikarte, die einen Grund für die Verhaftung liefern konnte. Darauf stand, dass er vom 23.12.1942 bis 31.12.1943 bei einer Firma in Thüringen zur Zwangsarbeit verpflichtet worden war. Claudine und Christelle nehmen an, dass er nicht nach Deutschland zurückkehren wollte und sich in Latronquière versteckt hatte.

Im April 2019 kamen Claudine und Christelle persönlich nach Bad Arolsen, um die Bilder und die Brieftasche abzuholen und sich die Originaldokumente anzusehen. „Es war ein ganz intensiver emotionaler Moment, als ich diese Fotos mit den Großeltern darauf zum ersten Mal den Händen hielt“, sagte Claudine. „Die Arbeit des ITS ist so wichtig – wir haben hier nicht nur viel über meinen Großvater gelernt, sondern auch über die Geschichte der Naziverfolgung.“