Familie in Polen gefunden

Familie in Polen gefunden

Engagierte Schüler*innen des Projekts #StolenMemory aus dem polnischen Oświęcim/Auschwitz haben Mitte August erneut ein Erinnerungsstück an die Nachfahren eines NS-Verfolgten zurückgegeben.

Die Jugendlichen fanden Stanisława Bury, die Nichte des ehemaligen KZ-Häftlings Stefan Baster, um seinen Trauring zurückzugeben. Möglich wurde das durch eine Kooperation der Arolsen Archives mit der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oświęcim/Auschwitz (IJBS).

Die IJBS arbeitet derzeit mit sechs jungen Freiwilligen daran, Spuren ehemaliger Häftlinge zu recherchieren und nach lebenden Angehörigen zu suchen. Im Juni hatten die Schüler*innen des Konarski Gymnasiums Oświęcim/Auschwitz bereits Nachfahren von Tadeusz Sieprawski gefunden. Nun waren die Nachwuchs-Forscher*innen erneut erfolgreich. Sie beschäftigten sich mit der Geschichte des KZ-Häftlings Stefan Baster, einem Eisenbahnarbeiter und Widerstandskämpfer aus dem Dorf Nielepice bei Krakau.

Der Ring trägt die Inschrift „Lola“ – Kosename von Stefan Basters Frau Karoline

Eine unvergessliche Begegnung

Der zurückgegebene Trauring trägt die Inschrift „Lola“. Stefan Baster hatte am 3. März 1943 Karolina Biernat geheiratet und ihren Kosenamen auf der Innenseite des Rings verewigen lassen. Seine Nichte Stanisława Bury nahm nun den Ring sowie Informationen aus den Arolsen Archives im Rahmen einer Übergabezeremonie in Nielepice entgegen. Die Begegnung sei emotional und unvergesslich gewesen, so die Schüler*innen. Beeindruckt zeigten sie sich zudem von der lokalen Erinnerungskultur, die detailliertes Wissen über die NS-Verfolgten am Leben halte. Nach dem Willen der Nachfahren werden der Ring und die überlieferten Informationen in die Sammlung des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau gegeben.

Stefan Baster lebte mit seiner Frau Karolina im Dorf Rudawa. Er war im besetzten Polen im Widerstand gegen Hitler-Deutschland aktiv und geriet in den Fokus der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Auf seine Verhaftung Ende Juli 1943 folgten brutale Verhöre in einem Gefängnis in Krakau. Anfang Oktober 1943 deportierten die deutschen Besatzer Stefan Baster in das Konzentrationslager Auschwitz, wo er die Häftlingsnummer 152741 erhielt. Später kam er in das Konzentrationslager Neuengamme in Hamburg. Dort musste er Zwangsarbeit leisten.

Der polnische Widerstandskämpfer kam vermutlich bei einem Angriff auf die Schiffe „Cap Arcona“ und „Thielbek“ in der Lübecker Bucht ums Leben. Die Nationalsozialisten hatten kurz vor Kriegsende mehrere tausend Gefangene des KZ Neuengamme auf die ausrangierten Dampfer gepfercht, weil die Ankunft der alliierten Truppen absehbar war. Britische Bomber versenkten beide Schiffe in dem Irrglauben, es handele sich um deutsche Truppentransporter. Die SS hatte zuvor auf den Schiffen alle Flucht- und Rettungsmöglichkeiten zerstört.

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