Viele kennen die Tschechin nur als Freundin Franz Kafkas, mit dem sie unzählige Briefe austauschte und selbst nach der Trennung noch engen Kontakt pflegte. Dabei war Milena Jesenská vor allem eins: eine erfolgreiche Journalistin und Widerstandskämpferin.

In Wien beginnt die 24-jährige Milena Jesenská als Korrespondentin für eine Prager Zeitung erste Zeitungsartikel zu schreiben. Nach Prag zurückgekehrt wird sie für ihre glühenden Texte über eine neue Frauenrolle bekannt.

In diesen Jahren tritt sie auch in die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei ein, wird aber schon 1936 wegen kritischer Äußerungen über den Stalinismus aus der Partei ausgeschlossen. Stattdessen schreibt sie nun Texte für die Kulturzeitschrift Přítomnost (Gegenwart) und schildert in einer ihrer ersten Reportagen die Ankunft deutscher, vor dem Nationalsozialismus geflüchteter Emigrant*innen in Prag.

 

»Sie ist ein lebendiges Feuer, wie ich es noch nie gesehen habe.«

Franz Kafka, 1920 über Milena Jensenská

 

Aktiv im Widerstand

Nach der deutschen Besatzung wird sie im antifaschistischen Widerstand aktiv: Sie arbeitet bei der illegalen Zeitschrift V boj (In den Kampf), gibt Funktionären der Kommunistischen Partei Unterschlupf und organisiert die Flucht von gefährdeten Menschen. Sogar ihre elfjährige Tochter Jana wird zur Helferin und versteckt verdächtige Schriften und Briefe in einem Wäschehaufen.

So kommt es, dass Milena Jesenská am 11. November 1939 von der Gestapo verhaftet wird. Aus Mangel an Beweisen wird sie von einem Dresdner Gericht zwar freigesprochen, trotzdem aber zur „Umerziehung“ in das KZ Ravensbrück deportiert. Hier verbringt sie vier Jahre und soll währenddessen anderen weiblichen Häftlingen stets Mut gemacht haben, durch ihren eigenen Lebenswillen und Stolz.

Schon von der Untersuchungshaft geschwächt, verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand durch die schlechten Bedingungen im Lager noch mehr. Sie stirbt am 17. Mai 1944, im Alter von 47 Jahren, an den Folgen einer Nierenoperation.

Am 14. Dezember 1994 wird Milena Jesenská von Yad Vashem zur „Gerechten unter den Völkern“ ernannt.

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