Museum Auschwitz-Birkenau: Tausende Identitäten rekonstruiert

Museum Auschwitz-Birkenau: Tausende Identitäten rekonstruiert

Zwei Jahre lang arbeiteten Mitarbeiter*innen des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau daran, Identitäten von Auschwitz-Häftlingen zu rekonstruieren. Um mehr Informationen zu sammeln, erhielt das Team direkten Zugriff auf die gesamte Datenbank der Arolsen Archives. Insgesamt konnten so 90.000 Dokumente zu Auschwitz-Häftlingen gefunden werden.

Wie können Identitäten rekonstruiert werden, wenn es keine Anhaltspunkte zu den Personen gibt? Der Gedenkstätte in Auschwitz fehlten bislang Informationen zu vielen ehemaligen Auschwitz-Häftlingen. Oft wurden Menschen, die in Auschwitz waren, in andere Lager transportiert und nur dort registriert. Über die Datenbank der Arolsen Archives konnten viele der Verfolgungsschicksale ergänzt werden. So haben es die Mitarbeiter*innen des Museums Auschwitz-Birkenau geschafft, 90.000 Dokumente zu Personen zu finden, die zwar in Auschwitz waren, aber dort nie registriert wurden.

Die Listen anderer Konzentrationslager, insbesondere des KZ Buchenwald, standen im Fokus der Recherche, da es in den Beständen der Arolsen Archives nur wenige Dokumente aus Auschwitz gibt. Oft wurden Menschen, die in Auschwitz waren, in andere Lager überstellt und dort registriert.

Rekonstruiertes Schicksal

Die neuen Informationen stammen beispielswiese aus Zwangsarbeiterlisten, Namens- und Transportlisten sowie Todeslisten. Bisher konnten 45 Prozent der Daten in digitale Kataloge eingetragen werden. „Dadurch besteht nun die komplette Sammlung aus mehr als 167.000 Dokumenten zu 30.000 Frauen und Männern“, so Dr. Wojciech Płosa, Direktor des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau.

Über die Dokumente aus den Arolsen Archives konnten so auch Identitäten von Pol*innen, Sinti und Roma, sowjetischen Kriegsgefangenen und französischen politischen Gefangenen rekonstruiert werden sowie von Juden, die aus den sogenannten Ghettos Litzmannstadt und Theresienstadt deportiert wurden.

„Besonders zu beachten sind zudem die Dokumente zu ungarischen Juden, die im Frühling und Sommer 1944 in Auschwitz zur Zwangsarbeit selektiert und in die Außenlager verschiedener anderer KZ transportiert worden waren. Auch sie waren zu Tausenden nicht erfasst worden. Dank der Dokumente anderer Lager, können wir ihr Schicksal und das ganzer Gemeinschaften rekonstruieren“, erklärt Ewa Bazan, Leiterin des Projekts.

Gegenseitiger Austausch

Auch die Sammlung der Arolsen Archives konnte durch die Zusammenarbeit erweitert werden:  Schlecht erkennbare Kopien wurden gegen Scans in sehr guter Qualität ausgetauscht, zum Beispiel die Bilder von Auschwitz-Häftlingen. Neu hinzugekommen sind zudem Kopien von Büchern mit Häftlingsnummern, die nun bei der Beantwortung von Anfragen mit ausgewertet werden können. „Wir freuen uns sehr über diese erfolgreiche Kooperation und über den gegenseitigen Austausch. Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Giora Zwilling, stellvertretender Archiv-Leiter der Arolsen Archives.

 

 

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