Miriam Shorer, 1946 in einem Camp für Displaced Persons geboren, wuchs in Israel als Einzelkind bei Adoptiveltern auf. Glücklich, aber ohne leibliche Familie, wie sie dachte. Durch ITS-Informationen stellte sich heraus, dass sie eine Halbschwester und Tante in den USA hat, Cousins, Cousinen, Nichten und Neffen – einige leben sogar in Israel. Plötzlich ist sie Teil einer großen Familie, und ihr Leben steht Kopf.

Zweimal schon hatten Miriam und ihr Mann Oded Shorer beim International Tracing Service (ITS) Anfragen nach Miriams Mutter gestellt, doch es fehlten immer noch Daten für die erfolgreiche Suche. Im Frühjahr 2018 konnten dann neue Spuren verfolgt und die Familiengeschichte rekonstruiert werden. Die Mutter Pola Majerowicz wird im polnischen Korzynzur geboren. Sie überlebt den Holocaust als polnische Zwangsarbeiterin getarnt. Auch ihre jüngere Schwester kann sie auf diese Art und Weise verstecken. Mit einem polnischen Mann bekommt sie 1946 im DP-Camp Veersen bei Uelzen eine Tochter: Maria Miriam. Von ihren Verwandten hat Miriam Shorer jetzt erfahren, dass ihre Mutter wohl überredet wurde, sie als Baby abzugeben, da der Vater kein Jude war. Sie wird in das DP-Camp Bergen-Belsen gebracht und 1948 mit dem Schiff nach Palästina. Ein kinderloses Paar nimmt sie auf und gibt ihr seinen Namen. Die Eltern sind liebevoll, möchten aber nicht, dass sie ihre leibliche Mutter sucht. Deshalb beginnt sie erst nach deren Tod damit.

Vom ITS erhält sie die Information, dass ihre Mutter 1948 im DP-Camp Feldafing ein weiteres Kind bekommen und den Vater geheiratet hat. Sie erfährt aber auch, dass ihre Mutter Pola noch in Feldafing gestorben ist. Aus den Dokumenten des ITS geht zudem hervor, dass drei Geschwister der Mutter den Holocaust überlebten und fünf ermordet wurden. Ehemann Oded Shorer macht daraufhin Cousins und Cousinen sowie Miriams Halbschwester ausfindig: Sara Lea Davidovicz hat ihren Vornamen in Shirley geändert und wohnt in Dallas. Auch die jüngere Schwester der Mutter lebt in den USA, ist aber dement.

Die Shorers telefonieren nach und nach mit allen und treffen sich mit Verwandten, einige leben wie sie in Tel Aviv. Von den Verwandten hören sie, dass Pola Selbstmord verübt hatte. Der ITS recherchiert weiter und findet im Landesentschädigungsamt München die Krankenakten mit Details über den Selbstmord. Offenbar hatte Pola eine Kindbett-Depression. Die Familie vermutet, weil sie ihr erstes Kind abgegeben hatte und so viel Leid während des Holocaust ertragen musste. Trotz vieler Bemühungen gelingt es leider nicht, ihr Grab zu finden.

Im Herbst 2018 sind Miriam und Oded Shorer in die USA geflogen. Sie waren gespannt darauf, Miriams Halbschwester endlich kennenzulernen und auch andere Zweige der Familie in Chicago zu treffen. Sie sind unendlich froh über diese Gelegenheit und die Vorarbeit des ITS. Oded Shorer lobt die Unermüdlichkeit der ITS-Mitarbeiter: „Sie haben nie aufgegeben, obwohl wir schon aufgegeben hatten.“ Seine Frau kann es immer noch kaum fassen, nach mehr als 70 Jahren auf einmal eine leibliche Familie zu haben. „Ich habe eine wunderbare Familie, sehr warmherzig. Und es ist eine große Familie, einer meiner Cousins zum Beispiel hat 30 Enkel.“