• Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Anfragen an die Arolsen Archives um zehn Prozent gestiegen.
  • Rund 350.000 Menschen aus aller Welt haben das seit Mai 2019 bestehende Online-Archiv der Arolsen Archives genutzt.
  • Zum 27. Januar wird das Online-Archiv um Dokumente zu 1,7 Millionen Menschen erweitert.

Bis heute sucht eine große Zahl von Menschen Informationen über Angehörige, die durch das NS-Regime ermordet, verfolgt oder verschleppt wurden. Erneut sind die Anfragen an das weltweit umfangreichste Archiv über NS-Verfolgte gestiegen, im vergangenen Jahr um zehn Prozent. Die Arolsen Archives erhielten Anfragen zu rund 24.000 Personen – fast drei Viertel stammen dabei von Angehörigen. Nur noch zwei Prozent kamen von Überlebenden selbst. Insgesamt wandten sich Menschen aus rund 70 Ländern an die Arolsen Archives, besonders stark vertreten waren Deutschland, Polen und die USA.

Informationsquelle für 350.000 Nutzer

Das Online-Archiv der Arolsen Archives steht Interessierten seit Mai 2019 zur Verfügung. Bis Dezember wurden dort bereits 14 Millionen Dokumente veröffentlicht. 350.000 Nutzer aus aller Welt recherchierten in diesem nun öffentlich zugänglichen Teil der Sammlung, die mit 30 Millionen Dokumenten zum UNESCO Weltdokumenterbe zählt. Sie gibt Auskunft über KZ-Inhaftierte, Zwangsarbeiter des NS-Regimes und die Überlebenden der Verfolgung.

„Die Zahlen aus dem vergangenen Jahr spiegeln das große Interesse an der Originaldokumentation über die Opfer des Nationalsozialismus“, betont Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives. „Da es schon bald keine Überlebenden oder Zeugen geben wird, müssen die Dokumente gewissermaßen an ihrer Stelle zu den jüngeren Generationen sprechen.“

Dokumente aus den Arolsen Archives: Individuelle Unterlagen eines KZ-Häftlings.

Neu online: Dokumente zu 1,7 Millionen Menschen aus der Zeit nach der Befreiung

Zum 27. Januar, dem Internationalen Holocaust Gedenktag und 75. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung, veröffentlichen die Arolsen Archives eine weitere bedeutende Sammlung online. Es handelt sich um Registrierungskarten von 1,7 Millionen Menschen, angelegt durch die Alliierten. Die Karten enthalten viele Informationen sowohl über Herkunft und Verfolgungsweg als auch über die Situation nach 1945: Wohin wollten die Menschen emigrieren? An welchen Orten lebten sie übergangsweise?

„Wir haben das Ziel, alle Dokumente sowie die Namen aller in unserem Archiv dokumentierten Opfer bis 2025 online zu veröffentlichen“, so Floriane Azoulay. „Wir können damit einen großen Beitrag leisten, die Biografien der im Nationalsozialismus verfolgten Menschen zu rekonstruieren: Die Erinnerung an den Holocaust, den Genozid an den Sinti und Roma und die Verbrechen an allen anderen Opfergruppen ist essentiell, damit dieser Terror in keiner Form zurückkommt.“