„Wir müssen für die Erinnerung aktiv werden!“

„Wir müssen für die Erinnerung aktiv werden!“

Kato Uso hat in den Osterferien ein besonderes Ziel: Mit seinen 600 Mitstipendiat*innen der START-Stiftung will er 10.000 Dokumente zu Opfern des Nationalsozialismus indizieren. Der 20-Jährige, der vor sechs Jahren aus Syrien nach Deutschland kam, möchte durch sein Engagement für das Projekt #everynamecounts dazu beitragen, dass die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht verloren geht.      

Kato, wie bist du auf #everynamecounts aufmerksam geworden?

Ich habe den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar intensiv verfolgt und auch die Rede von Charlotte Knobloch im Bundestag gesehen. Danach dachte ich mir, dass ich mich mehr mit dem Thema beschäftigen muss und habe auf Instagram nach passenden Hashtags gesucht. So bin ich dann auf #everynamecounts gestoßen und habe mir das Projekt angesehen.

Warum möchtest du gemeinsam mit anderen Stipendiat*innen der Start-Stiftung bei #everynamecounts mitmachen?

Die Shoah und vor allem das nationalsozialistische Regime in Deutschland hat mich schon immer erschüttert und ich habe mir des Öfteren die Frage gestellt: Wie kann man Menschen einer bestimmten Herkunft, Kultur, Religion oder eines Aussehens so sehr hassen, dass man sie umbringt? Es wurden sechs Millionen Juden sowie außerdem Sinti und Roma, Menschen mit einer Behinderung und viele andere kaltblütig ermordet. 

Jetzt mag der ein oder andere sagen, dass all das vergangen sei, doch immer noch lassen sich auch in gegenwärtiger Zeit die Namen von Personen auflisten, die von rechtsextremen Ideologen radikal attackiert und auch getötet wurden. Dies sind keine Einzelfälle und deswegen zählt für mich #everynamecounts. Diese Erinnerungskultur darf weder heute noch morgen oder übermorgen verloren gehen, deswegen müssen wir dafür einstehen und aktiv werden. 

Wir sind eine große Community und ich habe Mitstreiter*innen für dieses Projekt gesucht. Alle waren direkt von der Idee überzeugt. In der START-Stiftung gibt es den Grundsatz, dass wir in der Gesellschaft etwas verändern sollen und ich finde, das können wir mit #everynamecounts definitiv. Wenn viele von uns mitmachen, werden wir unser Ziel, 10.000 Dokumente zu indizieren, bestimmt erreichen.

Was ist für dich das Besondere bei diesem Projekt?

In Dokumentationen oder Seminaren zu den Themen Antisemitismus und Rassismus erfährt man nur die Zahlen, einzelne Schicksale werden selten beschrieben. Wenn man aber für #everynamecounts ein Dokument indiziert und erfährt, dass ein Mensch umgebracht wurde, weil er jüdisch war, dann macht es etwas mit einem. Ich sehe zum Beispiel Personen, die so alt waren wie ich, als sie deportiert wurden oder ein Baby, das in einem Konzentrationslager war. Man erfährt so viel mehr über das Schicksal der Menschen. Wenn ich heute Kinder auf der Straße spielen sehe, stelle ich mir vor, dass diese Kinder in der damaligen Zeit in Auschwitz hätten sein können.

Warum ist es dir wichtig, dich für unsere Gesellschaft zu engagieren?

Ich engagiere mich schon länger und ich versuche zwischen den Gesellschaften zu vermitteln und eine bessere Kommunikation zu erreichen. In meiner Stadt bin ich im Bürgerbüro als ehrenamtlicher Übersetzer für Kurdisch und Arabisch eingetragen. Mein Ziel ist, dass die Gesellschaft komplett funktioniert und die Sprache ist der Schlüssel dazu. Bei der START-Stiftung ist das Ziel, dass wir etwas bewegen und verändern. Vor allem in diesem Jahr, dem Superwahljahr, sollte jeder daran denken, wenn er oder sie das Kreuz macht.

 

Kato Uso ist seit 2019 Stipendiat und einer der START-Regionalsprecher*innen in Nordrhein-Westfalen. 2015 ist er aus Syrien nach Deutschland gekommen und lebt seitdem in Minden.  Als START-Stipendiat ist ihm der Einsatz für eine lebendige Demokratie wichtig. Dass dabei auch die Stimmen der Jugendlichen gehört werden, dafür setzt er sich unter anderem als Schülersprecher in seiner Schule, dem Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg, ein. Außerhalb der Schule trainiert er u.a. Kinder ehrenamtlich im Projekt “Offene-Sporthalle”.

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