#everynamecounts als Schulprojekt

#everynamecounts als Schulprojekt

Anlässlich des 101. Geburtstages von Max Windmüller am 7. Februar 2021 rief die UNESCO-Projektschule Max-Windmüller-Gymnasium in Emden zum Mitmachen bei #everynamecounts auf. Die Projektgruppe „Keep the Memory Alive!“ stellte die Gedenkinitiative an ihrer Schule in einer Video-Konferenz vor. Die Teilnehmer*innen waren beeindruckt von dem Projekt der Arolsen Archives und tief bewegt von der Auseinandersetzung mit den Einzelschicksalen der Opfer des Nationalsozialismus.

Wie funktioniert #everynamecounts? Wer kann bei dem Crowdsourcing-Projekt mitmachen? Am vergangenen Sonntag übernahmen Schüler*innen aus Emden die Rolle als Botschafter*innen für #everynamecounts und warben um neue Freiwillige. Anlässlich des 101. Geburtstag ihres Namensgebers, dem Widerstandskämpfer Max Windmüller, unterstützte die UNESCO-Projektschule Max-Windmüller-Gymnasium in Emden die Gedenkinitiative #everynamecounts der Arolsen Archives. Vorbereitet wurde die Aktion von Schüler*innen der 10. bis 12. Klassen der deutsch-israelischen Projektgruppe „Keep the Memory Alive!“, die die Video-Konferenz mit einer Einführung zu #everynamecounts eröffneten. An der Gedenkveranstaltung nahmen etwa 40 Schüler*innen, die jüngsten aus der 7. Klasse, Lehrer*innen und Eltern teil.

Beeindruckt waren die Jugendlichen auch von einer Suche im Online-Archiv der Arolsen Archives über das Schicksal von Max Windmüller. „Gerade durch den lokalen Bezug war es etwas Besonderes, die Dokumente von Windmüller anzuschauen. Es ist etwas anderes, wenn dort ‚Emden‘ auf der Häftlingspersonalkarte zu sehen ist“, berichtete Deutschlehrer Kai Gembler.

 

Die Häftlingspersonalkarte von Max Windmüller gibt den Herkunftsort Emden an.

 

Gedenken mit #everynamecounts

Mit der neuen digitalen Einführung zu #everynamecounts machten die Teilnehmer*innen sich mit den Dokumenten vertraut und übten gemeinsam, wie das Indizieren funktioniert. Dann bearbeiteten alle für sich Dokumente auf der Crowdsourcing-Plattform und tauschten sich danach über ihre Eindrücke und Gefühle aus:. „Diese vorgedruckten Formulare zeigen nochmal die Intention des Massenmordes auf deutliche Weise. Wenn man sich das vor Augen führt, begreift man es viel mehr“, sagte ein Schüler am Ende der Video-Konferenz.

Später am Nachmittag traf die „Keep the Memory Alive!“- Gruppe digital Arie Windmüller, den Neffen von Max Windmüller, und die Schüler*innen der israelischen Partnerschule des Max-Windmüller-Gymnasiums zu einem Gespräch.

#everynamecounts meets „Keep the Memory Alive!”

Da es immer weniger Überlebende und Zeug*innen des Holocaust gibt, wollen die Jugendlichen der Projektgruppe die Erinnerung daran aufrechterhalten und in die Zukunft tragen. „Keep the Memory Alive!“ bietet eine Plattform sich über Geschichte auszutauschen, Aktionen zu planen und die Erinnerung wachzuhalten. Zu diesen Zielen passt #everynamecounts perfekt. Das Projekt stellt durch die Originaldokumente einen direkten Bezug zur Geschichte her. Durch das Erfassen der Daten leisten die Freiwilligen einen aktiven Beitrag gegen das Vergessen. Und gerade in Zeiten von Distanzlernen ist der digitale Zugang zu #everynamecounts ideal.

„Es sind nicht nur Simulationen, sondern es sind echte Häftlingspersonalkarten, echte Dokumente mit denen sich die Schüler*innen sinnvoll und nachhaltig beschäftigen können.“

Kai Gembler, Deutschlehrer am Max-Windmüller-Gymnasium und Leiter der Projektgruppe

Der Widerstandskämpfer Max Windmüller

Max Windmüller, geboren am 7. Februar 1920 in Emden, war ein deutscher Widerstandskämpfer. Mit 13 Jahren floh er 1933 mit seiner Familie in die Niederlande, um der antisemitischen Verfolgung zu entkommen. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Isaak schloss er sich einer Gruppe an, die Jugendlichen half, nach Palästina auszuwandern. Als die deutsche Wehrmacht 1940 die Niederlande besetzte, begann Windmüller wie viele andere Juden ein Leben im Untergrund. Er schloss sich der Gruppe Westerweel an.

Nach einer Rettungsaktion von dreißig jüdischen Kindern, die in das Durchgangslager Westerbork deportiert werden sollten, wurde Windmüller gefasst und inhaftiert. Ihm gelang die Flucht, und er beschaffte sich neue Ausweispapiere. Unter dem Decknamen „Cornelius Andringa“, kurz „Cor“, organisierte er als Mittelsmann in Frankreich Fluchtwege nach Südeuropa. So rettete er etwa 100 Jugendliche vor der Deportation – darunter auch seinen jüngeren Bruder Emil.

Im Online-Archiv der Arolsen Archives finden sich verschiedene Dokumente zu Max Windmüller. 

Im Juli 1944 stürmte die Gestapo ein Treffen des jüdischen Widerstands in Frankreich, verhaftete und folterte Windmüller und seine Mitkämpfer und deportierte sie in das Sammellager Drancy. Im letzten Transport aus Drancy vor der Befreiung verschleppten die Nazis ihn in das KZ Buchenwald. Von September 1944 bis März 1945 leistete er im Außenlager Bochum Zwangsarbeit für die Eisen- und Hüttenwerke A.G. Kurz danach transportierten die Nationalsozialisten ihn bei der Räumung des KZ Buchenwald nach Flossenbürg. Auf dem Todesmarsch in das KZ Dachau erschoss ein SS-Mann Max Windmüller. Er hatte sich von der Kolonne entfernt, um sich geschwächt von Fieber und einer Lungenentzündung kurz auszuruhen.

Durch ihren Einsatz haben die Westerweel-Gruppe und Max Windmüller 393 jüdischen Kindern und Jugendlichen das Leben gerettet. In seinem Gedenken nahm das Max-Windmüller-Gymnasium 2015 seinen Namen an. Die Arolsen Archives begrüßen das Engagement der UNESCO-Projektschule und freuen sich, durch #everynamecounts gerade junge Menschen zu erreichen. Das Max-Windmüller-Gymnasium plant unter anderem am 21. April, dem Todestag von Max Windmüller, erneut gemeinsam zu indizieren.

Jetzt Spenden
jetzt mitmachen