Weitere zehn Millionen Namen veröffentlicht

Weitere zehn Millionen Namen veröffentlicht

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die alliierten Besatzungsmächte eine Mammutaufgabe vor sich: Sie wollten die Verbrechen der Nationalsozialisten dokumentieren und Vermisste suchen. Dazu sammelten sie Informationen über NS-Verfolgte. Allein in der amerikanischen Besatzungszone entstanden so rund 850000 Dokumente mit Informationen zu zehn Millionen Namen. Diesen Bestand haben die Arolsen Archives nun online veröffentlicht.

Im Winter 1945/46 erließen die vier Besatzungsmächte Befehle an deutsche Gemeinden, Firmen, die Polizei und andere Institutionen. Sie sollten Listen über Ausländer, deutsche Juden und Staatenlose anlegen, die bei ihnen registriert worden waren. Dazu gehörten auch Angaben über Grabstellen. Einen großen Bestand der daraus entstandenen Dokumente sowie weitere Listen aus der amerikanischen Besatzungszone können Interessierte ab jetzt im Online-Archiv der Arolsen Archives einsehen. Sie enthalten Informationen zu rund zehn Millionen Namen.

Rebecca Boehling, Acting Director des National Institute for Holocaust Documentation des United States Holocaust Memorial Museums, unterstreicht die Wichtigkeit dieser Sammlung: „Da die amerikanische Besatzungszone die größte Zone der Alliierten war, ist die Zahl der Verfolgten des Naziregimes, die dort am Kriegsende registriert waren, von außerordentlicher Bedeutung für die Suche nach Vermissten und um mehr über die Verfolgungswege der Opfer und Überlebenden zu erfahren.  Diese neue Online-Stellung von Dokumenten gibt viele Informationen zu Überlebenden und Opfern der Todesmärsche und Konzentrationslager so wie auch über Zwangsarbeit.

Damit die neuen Informationen einfach und schnell abrufbar sind, haben sich die Arolsen Archives Unterstützung von Ancestry, der größten Online-Plattform für Ahnenforschung geholt. Seit diesem Jahr hilft das Unternehmen bei der Bearbeitung von großen Beständen, stellt den Arolsen Archives die Daten zur Verfügung und veröffentlicht die Dokumente auch im eigenen Online-Archiv. Die Listen lassen sich deshalb nun ganz einfach durchsuchen. „Die von Ancestry erhobenen Daten bereichern unser Online-Archiv mit vielen wertvollen Informationen, zum Beispiel über die Aufenthaltsorte von ausländischen Zwangsarbeitern“, erklärt Giora Zwilling, Leiter des Referats für die Archivische Erschließung bei den Arolsen Archives.

Grabstelle eines Franzosen auf dem Friedhof eines bayerischen Dorfes: Meldungen wie diese verlangten die Alliierten von deutschen Gemeinden, um Vermisste zu finden und das NS-Verbrechen zu dokumentieren.

Im Rahmen von Kooperationen wie dieser stellen die Arolsen Archives seit Mai 2019 nach und nach interessante Bestände einem weltweiten Publikum im Internet zur Verfügung. Die Institution will mithilfe ihrer Partner die Indizierung der Dokumente immer weiter verbessern, damit sie nach möglichst vielen Schlagworten durchsucht werden können. Nach den Dokumenten aus der amerikanischen Besatzungszone werden die Arolsen Archives bald schon weitere Listen online stellen – im nächsten Schritt die aus der britischen Besatzungszone.

Über die Arolsen Archives

Die Arolsen Archives sind ein internationales Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie beinhaltet Dokumente zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes und ist eine wichtige Wissensquelle für die heutige Gesellschaft.