Zur Pride Season geben wir Einblicke in die Geschichte der Verfolgung queerer Menschen. Von den Nationalsozialist*innen wurde jede Minderheit, jedes Anderssein gnadenlos verfolgt. Rund 50.000 schwule Männer wurden verurteilt. 

Die Verfolgten wurden in psychiatrische Anstalten und Konzentrationslager gesteckt, zwangskastriert oder ermordet. Auch lesbische Frauen und queere Menschen waren im Nationalsozialismus großen Risiken ausgesetzt, und die Erforschung ihrer Schicksale ist bis heute bei Weitem nicht abgeschlossen. Mit verschiedenen Expert*innen-Interviews und Artikeln möchten wir zur Aufklärung zu diesem Thema beitragen und setzen uns für Vielfalt und Toleranz ein.

Der lange Weg zur Straf-freiheit
Der lange Weg zur Straf-freiheit
Die Geschichte des Paragraphen 175

123 Jahre dauerte es, bis homosexuelle Männer in Deutschland ihre Sexualität offen ausleben durften, ohne mit einer offiziellen Strafe rechnen zu müssen. Erst 1994 wurde Paragraph 175 aus dem Gesetzbuch gestrichen.

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Erinnern an Auschwitz: Neue Forschung zu queerer Geschichte

“Erinnern an Auschwitz – auch an sexuelle Minderheiten“ ist der Titel des neuen Buches der deutschen und deutsch-niederländischen Herausgeber*innen Joanna Ostrowska, Joanna Talewicz-Kwiatkowska und Lutz van Dijk. Ihr Ziel: Eine neue Art zu sprechen und zu erinnern, an Opfergruppen, die Minderheiten wie der queeren Community oder den der Sinti und Roma angehören.

Joanna Ostrowska

»Die polnische Regierung und die Katholische Kirche sieht LGBTQ+-Personen als Ideolog*innen und nicht als Menschen. Ich denke, dass die momentane Situation eine Konsequenz aus dem fehlenden Bewusstsein zu queerer Geschichte ist.«

Joanna Ostrowska, Historikerin, Filmwissenschaftlerin und Dramaturgin, Copright: W. Orski

Drei Jahre ist Rudolf Brazda durch die Hölle des Konzentrationslagers Buchenwald gegangen. Er überlebte. 2009 besuchte der damals 96-Jährige, der einer der letzten bekannten ehemalige Häftling aus der Verfolgtengruppe der Homosexuellen, die Arolsen Archives.

Verhaftet wegen Homosexualität: Roman Igler
Verhaftet wegen Homosexualität: Roman Igler

Die polnische Wissenschaftlerin Joanna Ostrowska berichtet in einem Gastbeitrag über die Verfolgung von Roman Igler. Er wurde 1941 als homosexueller Mann in Polen im Alter von 28 Jahren wegen Unzucht mit Männern zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. 1943 deportierten die Nationalsozialisten Igler in das Konzentrationslager Auschwitz I. 

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Joannna Talewicz-Kwiatkowska

»Die Vorurteile und die Verfolgung Homosexueller und LGBTQ+-Gruppen in Polen setzen den selben Mechanismus in Gang, den wir von früher kennen. Das ist sehr gefährlich.«

Joannna Talewicz-Kwiatkowska, Assistant professor, Institut für Ethnologie und Kulturelle Anthropologie an der Universität Warschau
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